Als ZFA oder Dentalhygienikerin bringst du jeden Tag Außergewöhnliches: Präzision, Konzentration, Einfühlungsvermögen – Stunde für Stunde, Patient für Patient. Was dabei oft im Hintergrund bleibt: dein Körper. Genauer gesagt ein Gewebesystem, das alle Strukturen verbindet, stabilisiert und bewegt – die Faszien.

In diesem Artikel erfährst du, was Faszien sind, warum zahnmedizinisches Fachpersonal besonders auf sie achten sollte – und zwei einfache Übungen, die du sofort in deinen Alltag einbauen kannst.

Was sind Faszien?

Faszien sind bindegewebige Hüllen und Strukturen, die deinen gesamten Körper durchziehen. Sie umgeben Muskeln, Organe, Nerven und Knochen und bilden ein dreidimensionales Netzwerk, das alles zusammenhält.

Lange wurden sie als passives Stützgewebe betrachtet. Aktuelle Forschung zeigt jedoch: Faszien können sich aktiv zusammenziehen, reagieren auf Stress, Bewegungsmangel und einseitige Belastungen – und spielen eine zentrale Rolle bei Schmerz und Körperwahrnehmung.

Das bedeutet für dich: Verspannungen im Nacken, Schmerzen in den Handgelenken oder ein dauerhaft angespannter Kiefer sind häufig keine isolierten Beschwerden – sie haben oft eine fasziale Ursache.

Warum bist du als Zahnmedizinerin besonders betroffen?

Studien zeigen, dass über 80 % des zahnmedizinischen Personals unter muskuloskelettalen Beschwerden leidet – vor allem im Nacken-Schulter-Bereich und in den Händen. Die Gründe dafür sind typisch für den Praxisalltag:

Anhaltend gebeugte Haltung

Wer täglich über Patienten gebeugt arbeitet, verkürzt auf Dauer die vorderen Faszienketten – während Nacken und Rücken überdehnt werden. Das Ergebnis: Verspannungen und Schweregefühl.

Repetitive Handbewegungen

Instrumentieren, Polieren, Assistieren – immer wieder die gleichen Abläufe belasten Unterarme und Handgelenke einseitig. Das Fasziengewebe reagiert mit Verhärtungen und Triggerpunkten.

Unbewusstes Kieferpressen

Konzentration und Präzisionsarbeit gehen häufig mit angespanntem Kiefer einher – und die Kaumuskulatur ist direkt mit den Nackenfaszien verbunden. Was viele unterschätzen: Ein verspannter Kiefer setzt sich oft bis in die Schultern fort.

Zwei Übungen, die wirklich helfen

Du musst kein aufwendiges Programm starten. Diese zwei Übungen sind einfach, brauchen nur wenige Minuten – und du kannst sie direkt in der Praxis machen.

1. Schultermobilisation

Wirkung: Mobilisiert die Schultergelenke, löst Verspannungen in der Rückenfaszie und ist ein direkter Ausgleich zur Haltearbeit im Praxisalltag.

Steh aufrecht, Füße hüftbreit. Beginne mit kleinen Schulterkreisen rückwärts (10×), dann mit größeren Kreisen (10×). Wiederhole dasselbe vorwärts. Zum Abschluss: Beide Schultern gleichzeitig zu den Ohren ziehen, 3 Sekunden halten – und dann bewusst fallen lassen. Gerne mit einem tiefen Ausatmer dazu.

Dauer: 2–3 Minuten. Wann: Morgens vor der Arbeit oder kurz zwischen zwei Behandlungen – ideal als kleiner Reset.

2. Unterarm- und Handgelenk-Dehnung

Wirkung: Dehnt die Unterarm-Faszien, fördert die Durchblutung und beugt langfristig Beschwerden wie dem Karpaltunnelsyndrom vor.

Strecke einen Arm nach vorne aus, Handfläche nach oben. Greife mit der anderen Hand die Finger und ziehe sie sanft zu dir heran, bis du eine Dehnung an der Unterarm-Innenseite spürst. 30 Sekunden halten. Dann drehe die Handfläche nach unten und wiederhole die Dehnung auf der Außenseite. Seitenwechsel.

Ergänzend: Ein kleiner Ball (z. B. ein Igelball) über die Handflächen gerollt löst fasziale Spannungen und tut nach einem langen Behandlungstag einfach gut.

Dauer: Je 30 Sekunden pro Seite und Position. Wann: Kurz nach jedem Patienten – oder abends auf der Couch mit dem Ball.

Was passiert dabei in deinem Körper?

Faszientraining wirkt auf mehreren Ebenen gleichzeitig:

  • Durch Dehnung und Druck werden Mechanorezeptoren aktiviert – das kann die Schmerzwahrnehmung positiv beeinflussen.
  • Die Gleitfähigkeit zwischen den Faszienschichten verbessert sich: Eine gelertige Substanz dient als natürliches Gleitmittel und wird durch Bewegung wieder flüssiger.
  • Die Durchblutung wird gefördert – das versorgt das Gewebe mit frischer Energie.
  • Regelmäßige Übungen verbessern deine Körperwahrnehmung und damit langfristig auch die Qualität deiner Bewegungen.

Wichtig: Diese Übungen dienen der Prävention und dem Wohlbefinden im Alltag. Bei akuten oder anhaltenden Beschwerden sprich bitte mit einer Ärztin oder einem Physiotherapeuten.

Dein Körper ist dein wichtigstes Arbeitsinstrument

Die Arbeit in der Zahnarztpraxis verlangt täglich viel von dir – körperlich und mental. Gerade deshalb lohnt es sich, in die eigene Gesundheit zu investieren: nicht mit großem Aufwand, sondern mit kleinen, konsequenten Gewohnheiten.

Probier einfach eine der beiden Übungen aus – schon morgen früh, bevor der erste Patient kommt. Dein Körper wird es dir danken.

Weiterführende Literatur

Schleip, R. et al. (2012). Fascia: The Tensional Network of the Human Body. Elsevier.

Myers, T. W. (2020). Anatomy Trains (4th ed.). Elsevier.

Valuch-Lynch, D. M. et al. (2016). Work-related musculoskeletal disorders among dental hygienists. Journal of Dental Hygiene, 90(6).

Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich informativen Zwecken und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder akuten Beschwerden konsultiere bitte eine Ärztin oder einen Arzt.

Hast du gewusst, dass das, was du isst, direkt Einfluss auf dein Zahnfleisch hat? Klingt erstmal ungewohnt – aber die Wissenschaft ist da ziemlich eindeutig. In diesem Artikel erklären wir dir, was Parodontitis wirklich ist, warum Entzündungen im Mund so oft mit unserer Ernährung zusammenhängen, und was du ganz konkret auf dem Teller tun kannst.

Was ist Parodontitis – und warum ist sie so ein großes Thema?

Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnhalteapparats – also des Gewebes, das deine Zähne im Kiefer hält. In Deutschland ist sie weit verbreitet: Rund 50 Prozent der Erwachsenen sind betroffen – und dass, obwohl 95 Prozent der Menschen regelmäßig Zähne putzen. Das zeigt: Zähneputzen allein reicht nicht aus. Es muss etwas geben, das tiefer ansetzt.

Parodontitis entsteht durch Bakterien im Zahnbelag. Aber ob und wie stark sich eine Entzündung entwickelt, hängt von weit mehr ab als nur davon, wie gut du putzt. Ernährung hat sowohl einen lokalen Einfluss auf das orale Mikrobiom als auch systemisch über gesamtkörperliche Wege – und genau das macht sie zu einem so wichtigen Faktor.

Die Forschung dahinter: Was sagt die Wissenschaft?

Einer der führenden Köpfe auf diesem Gebiet ist Prof. Dr. Johan Wölber, Professor für Parodontologie am Universitätsklinikum Dresden. Er hat sich intensiv damit beschäftigt, wie Ernährung Zahnfleischerkrankungen beeinflusst – und kommt zu einer überraschenden Erkenntnis: Die Entfernung von Zahnbelag durch Zähneputzen bekämpft nicht die eigentliche Ursache von Parodontitis. Diese liegt tiefer – nämlich in unserer Ernährung.

In seinem Buch Die Ernährungs-Zahnbürste (gemeinsam mit Prof. Dr. Christian Tennert) beschreibt Wölber, wie Zucker, entzündungsfördernde Fette und tierische Proteine den gesamten Organismus aus dem Gleichgewicht bringen – und damit auch das Zahnfleisch angreifen. Sein zweites Buch, das Kochbuch Al Dente – Das Kochbuch der Ernährungszahnmedizin (2025), zeigt ganz praktisch, wie eine zahngesunde Ernährung im Alltag aussehen kann – mit alltagstauglichen Rezepten, die Lust auf Veränderung machen.

In einer Pilotstudie konnte sein Team an der Uniklinik Freiburg zeigen: Probanden, die sich vier Wochen nach einer antientzündlichen Ernährungsempfehlung ernährten, reduzierten ihre parodontale Entzündung um etwa 50 Prozent – obwohl sich die Plaquewerte nicht signifikant veränderten. (Woelber et al., 2016)

Mit anderen Worten: Weniger Entzündung, obwohl nicht mehr geputzt wurde. Das ist ein starkes Signal. Eine weitere Analyse von fast 7.000 Patienten ergab zudem, dass Menschen mit einer antientzündlichen Ernährung im Schnitt fast einen Zahn weniger verloren, hatten als Patienten mit einer eher entzündungsfördernden Ernährung. (Kotsakis et al., 2017)

Was entzündet – und was schützt?

Das macht Probleme:

Zucker und verarbeitete Kohlenhydrate – also Weißbrot, Softdrinks, Süßigkeiten und Fertigprodukte – fördern Entzündungen im ganzen Körper. Prof. Wölber betont, dass Zucker ein geteilter Risikofaktor ist: Er begünstigt nicht nur Parodontitis, sondern auch Karies, Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch Omega-6-reiche Fette aus stark verarbeitetem Fleisch oder Pflanzenölen wie Sonnenblumenöl können entzündungsfördernd wirken.

Das hilft deinem Zahnfleisch:

Eine überwiegend pflanzliche, niederglykämische Ernährung, reich an Mikronährstoffen, Ballaststoffen, Antioxidantien und Omega-3-Fettsäuren, wirkt nachweislich entzündungshemmend. Konkret heißt das:

  • Omega-3-Fettsäuren aus fettem Fisch (Lachs, Hering, Makrele), Leinsamen oder Walnuss – sie helfen dem Körper, Entzündungen aktiv aufzulösen.
  • Vitamin C aus frischem Obst und Gemüse – wichtig für das Bindegewebe und als Antioxidans. Studien zeigen: Vitamin C im natürlichen Wirkverbund (aus echten Lebensmitteln, nicht aus Ergänzungsmitteln) senkt parodontale Entzündungen.
  • Vitamin D – es wirkt immunmodulierend, und ein Mangel gilt als Risikofaktor für Parodontitis.
  • Ballaststoffe aus Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkorn und Nüssen – sie ernähren eine gesunde Darmflora und wirken systemisch antientzündlich.
  • Polyphenole und sekundäre Pflanzenstoffe – zum Beispiel aus Beeren, grünem Tee oder buntem Gemüse.

Was kannst du heute schon ändern?

Du musst nicht von heute auf morgen alles umstellen. Kleine, konsequente Schritte machen den Unterschied:

  • Ersetze Weißbrot und Weißen Reis durch Vollkornvarianten.
  • Iss zwei- bis dreimal pro Woche fetten Fisch.
  • Greif öfter zu frischem Gemüse und saisonalem Obst.
  • Reduziere Softdrinks und Süßigkeiten – Zucker wie ein Gewürz verwenden, nicht wie eine Zutat.
  • Ergänze Vitamin D, wenn du selten in der Sonne bist (Rücksprache mit der Zahnarztpraxis oder der Arztpraxis empfehlenswert).

Fazit: Dein Teller ist Teil deiner Mundhygiene

Mundhygiene endet nicht mit dem Zähneputzen. Was du isst, beeinflusst direkt, wie dein Immunsystem auf Bakterien im Mund reagiert. Evidenzbasierte Ernährungsinterventionen können sowohl präventiv als auch therapeutisch begleitend im Rahmen einer parodontalen Therapie eingesetzt werden – das zeigt die aktuelle Forschung klar.

🧡 Altersvorsorge 2026

Eine Geschichte eines Vaters (1976) und seiner Tochter (ZFA, 2001)
Klingt komisch? Ist aber so.

Heute schauen wir uns Altersvorsorge nicht mit Fachbegriffen an.
Sondern mit einer kleinen Geschichte.

Es geht um zwei Menschen:
👉 Thomas, geboren 1976, seit über 25 Jahren im Berufsleben
👉 Lisa, geboren 2001, seine Tochter – sie arbeitet in einer Zahnarztpraxis als ZFA

Beide sind berufstätig.
Beide zahlen in die gesetzliche Rentenversicherung ein.
Und beide verlassen sich ein bisschen darauf, dass „später schon irgendwas rauskommt“.

Aber genau hier beginnt das Maus-Problem 🐭

🔵 Teil 1 – Der Vater: „Ich hab doch alles richtig gemacht“
Als Thomas angefangen hat zu arbeiten, war die Welt noch relativ einfach.
Er kannte einen Satz, den damals fast jeder gehört hat:
„Wenn du lange genug arbeitest, bekommst du später eine ordentliche Rente.“

Warum das funktioniert hat?
Weil unser Rentensystem ein Umlageprinzip ist:
Die Menschen, die heute arbeiten, bezahlen direkt die Renten der heutigen Rentner.
Oder in Maus-Sprache:
Die arbeitenden Mäuse bringen den Käse, die älteren Mäuse essen ihn 🧀
Und damals gab es davon viele.

🟠 Teil 2 – Die demografische Mausfalle
Früher:
– Viele junge Arbeitnehmer
– Wenige Rentner

Heute (2026):
– Immer mehr Rentner
– Immer weniger Beitragszahler
– Menschen leben deutlich länger

Früher haben ungefähr 4 Arbeitnehmer einen Rentner finanziert.
Heute sind es etwa 2.
Und es werden noch weniger.

Die Maus würde sagen:
Der gleiche Käse muss plötzlich für viel mehr Mäuse reichen.
Für Thomas bedeutet das:
Seine gesetzliche Rente wird nicht reichen, um seinen heutigen Lebensstandard zu halten.
Nicht, weil er etwas falsch gemacht hat.
Sondern weil sich die Bevölkerung verändert hat.

🟢 Teil 3 – Die Tochter: ZFA in der Zahnarztpraxis
Jetzt kommt Lisa ins Spiel.
Lisa ist Zahnmedizinische Fachangestellte.
Sie arbeitet viel, steht den ganzen Tag, organisiert, assistiert, kümmert sich um Patienten – und am Monatsende bleibt kein riesiges Gehalt übrig.
Sie zahlt ebenfalls in die Rentenversicherung ein.
Aber bei ihr ist die Ausgangslage eine völlig andere.
Denn:
– Ihr Einstiegsgehalt ist deutlich niedriger als das ihres Vaters damals
– Sie wird länger leben
– Sie wird mehr Rentner mitfinanzieren

Oder wieder in Maus-Sprache:
Lisa bringt später Käse in das System — bekommt aber selbst wahrscheinlich nur ein kleines Stück zurück.
Für sie ist die gesetzliche Rente keine Vollversorgung mehr.
Sie ist nur noch eine Basis.

🔴 Teil 4 – Gleiche Rente, völlig unterschiedliche Aufgaben
Jetzt wird es spannend.
Beide zahlen in dasselbe System ein.
Aber sie haben komplett unterschiedliche Probleme:

Thomas (1976)Lisa – ZFA (2001)
Weniger Zeit bis RenteSehr viel Zeit
Höheres EinkommenNiedrigeres Einkommen
Muss Lücke schließenMuss Vermögen aufbauen
System hat sich verändertSystem war nie stabil für sie

Thomas braucht Struktur.
Lisa braucht Zeit und einen Plan.
Und genau hier passiert der häufigste Fehler:
Viele behandeln Altersvorsorge wie ein Produkt.

Die Maus würde sagen:
Man kann nicht jede Maus mit demselben Käse satt machen 🐭

🟣 Teil 5 – Was Altersvorsorge 2026 wirklich bedeutet
Altersvorsorge ist heute kein Vertrag mehr.
Sie ist eine Kombination aus Bausteinen:
– Gesetzliche Rente (Basis)
– Betriebliche Möglichkeiten
– Private Vorsorge
– Kapitalmarkt (z. B. Fonds/ETF)
– Flexibilität
Der wichtigste Faktor ist dabei nicht die Rendite.

Es ist Zeit.

Lisa hat davon viel.
Thomas hat davon wenig.

Deshalb kann Lisa mit kleinen Beträgen langfristig mehr erreichen als Thomas mit großen Einzahlungen kurz vor der Rente.

Klingt komisch? Ist aber so.

🟡 Das Fazit

Thomas muss heute aktiv werden, damit sein Ruhestand planbar bleibt.
Lisa muss früh anfangen, damit sie später überhaupt Wahlmöglichkeiten hat.
Beide brauchen nicht mehr Informationen.
Sie brauchen Verständnis für das System.

Denn:
Die gesetzliche Rente ist heute nicht mehr der ganze Käse.
Sie ist nur noch die Käserinde.

Und der Rest entsteht durch Entscheidungen, die man früh genug trifft.

Markus Lipinski
Finanzberater
selbstständiger Handelsvertreter für Swiss Life Select
Spezialist für Investment/AIF
Grubenlicht 1
59075 Hamm
Telefax: 0511-90 20-6 93 48
Mobil: 0172-2 83 28 11
markus.lipinski@swisslife-select.de
www.swisslife-select.de

Seit Jahren wird in der implantologischen Gemeinschaft kontrovers diskutiert, ob und wie der Vitamin-D-Status des Patienten die Prognose dentaler Implantate und augmentativer Maßnahmen beeinflusst. Viele Praxen haben den Vitamin-D-Spiegel bereits routinemäßig in ihr präoperatives Screening integriert. Nun liegt erstmals eine evidenzbasierte, deutschsprachige S3-Leitlinie vor – entwickelt unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) und der DGZMK in Zusammenarbeit mit 23 Fachgesellschaften, Organisationen und Patientenvertretungen. Die Kernbotschaft: Differenzierung statt Routine.

Hintergrund: Die neue S3-Leitlinie im Überblick

Die Leitlinie tägt den Titel ‚Relevanz der Vitamin-D-Bestimmung und -Supplementierung auf die Implantatprognose und Augmentationschirurgie‘ (AWMF-Registriernummer: 083-055, Version 1.0, Stand: August 2025, gültig bis August 2030). Sie beantwortet systematisch folgende Kernfragen:

  • Erhöht ein Vitamin-D-Mangel die Komplikationsrate bei Implantatversorgungen?
  • Beeinflusst der Vitamin-D-Spiegel Osseointegration, Implantatstabilität und Augmentationsergebnisse?
  • Hat eine gezielte Supplementierung Einfluss auf den Kieferknochenstoffwechsel?

Die systematische Auswertung aktueller Studien liefert ein differenziertes, jedoch insgesamt heterogenes Bild. Die Evidenz wird als niedrig bis moderat eingestuft – was unmittelbar Konsequenzen für die Handlungsempfehlungen hat.

Mit KI erstellt

Warum Vitamin D für die Implantologie relevant ist

Vitamin D (Cholecalciferol, D₃) spielt eine zentrale Rolle im Calcium- und Phosphatstoffwechsel und damit direkt im Knochenstoffwechsel. Niedrige Vitamin-D-Spiegel können mit folgenden klinischen Risiken assoziiert sein:

  • Verzögerter Knochenaufbau und eingeschränkte Osseointegration: Vitamin D ist essenziell für die Mineralisation neu gebildeter Knochenmatrix. Ein Mangel kann die Einheilungsphase verlängern und die primäre Implantatstabilität gefährden.
  • Erhöhte Anfälligkeit für periimplantäre Infektionen: Vitamin D moduliert immunologische Prozesse. Ein Defizit kann die lokale Immunabwehr schwächen und das Risiko einer Periimplantitis erhöhen.
  • Beeinträchtigte Augmentationsergebnisse: Hinweise aus der Literatur deuten auf einen positiven Effekt normwertiger Vitamin-D-Spiegel auf den periimplantären Knochenabbau und die Stabilität augmentativer Maßnahmen hin.

    Die epidemiologische Ausgangslage ist dabei keineswegs zu unterschätzen: Rund 30 % der erwachsenen Bevölkerung weisen einen Vitamin-D-Mangel auf – in den Wintermonaten können es bis zu 50 % der Patientinnen und Patienten sein. Die Prävalenz in der implantologischen Praxis ist damit klinisch höchst relevant.

Die zentrale Leitlinienempfehlung: Individualisierung statt Pauschalierung

Trotz der pathophysiologischen Plausibilität kommt die Leitlinie zu einem klaren Schluss: Ein generelles Screening oder eine pauschale Supplementierung vor Implantationen, Augmentationen oder im Rahmen der Periimplantitistherapie ist durch die aktuelle Studienlage nicht gerechtfertigt. Dies begründet sich in der Heterogenität der vorliegenden Evidenz sowie der Tatsache, dass die Daten gesunder Patienten ohne klinisch relevanten Vitamin-D-Mangel den möglichen Effekt in einem Subkollektiv statistisch überlagern.

Stattdessen empfiehlt die Leitlinie ein individualisiertes, risikobasiertes Vorgehen – mit klaren Indikationen:

Indikationen für eine gezielte Vitamin-D-Bestimmung:

  • Anamnestisch vermuteter oder bereits bekannter Vitamin-D-Mangel
  • Nieren- oder Leberfunktionsstörungen (Einfluss auf Vitamin-D-Metabolismus)
  • Hochbetagte Patienten (> 80 Jahre)
  • Unklare Implantat-Frühverluste in der Vorgeschichte
  • Wiederkehrende periimplantäre Infektionen ohne andere Erklärung
  • Auffällige Wundheilungsverläufe in der Behandlungshistorie

Testmethoden:

Die Leitlinie benennt sowohl qualitätskontrollierte In-office-Finger-prick-Schnelltests als auch konventionelle Labortests als geeignete Methoden zur Vitamin-D-Bestimmung (25-OH-Vitamin-D). Eine routinemäßige Diagnostik von Vitamin-D-Rezeptorpolymorphismen wird hingegen ausdrücklich nicht empfohlen.

Supplementierung bei bestätigtem Mangel:

Liegt ein gesicherter Mangel vor, kann eine präoperative Supplementierung erwogen werden. Ziel ist die Reduktion postoperativer Entzündungsreaktionen und Schwellungen sowie die Unterstützung des Kieferknochenstoffwechsels. Dabei gilt: Supplementierung setzt ein Monitoring voraus. Folgemessungen sind erforderlich, um den Verlauf des Spiegels unter Therapie zu kontrollieren – denn auch die Kehrseite ist leitlinienrelevant.

Mit KI erstellt

Achtung: Das Risiko der Hypervitaminose

Die Leitlinie widmet dem Thema Überdosierung besondere Aufmerksamkeit – und das aus gutem Grund. Drei Punkte sind hier klinisch entscheidend:

  • Intoxikationsrisiko bei Überdosierung: Eine Hypervitaminose D kann schwerwiegende Nebenwirkungen verursachen (Hyperkalzämie, Nierenschäden). Dies ist keine akademische Randerscheinung, sondern eine reale klinische Gefahr bei unkontrollierter Supplementierung.
  • Negativer Einfluss auf die Implantatprognose: Eine Studie aus dem Jahr 2024 liefert Hinweise auf einen negativen Einfluss einer Hypervitaminose auf die Implantatprognose. Zu viel ist also ebenso problematisch wie zu wenig.
  • Monitoring als Pflicht: Eine Supplementierungsempfehlung ohne begleitende Spiegelkontrolle ist nicht leitlinienkonform. Folgemessungen sind zwingend.

Empfehlungen für Ihre Patienten: So führen Sie das Gespräch

Die Leitlinie stellt klar, dass Zahnärztinnen und Zahnärzte die vorhandene Evidenz im Rahmen einer individuellen Risiko-Nutzen-Abwägung in das Beratungsgespräch einbeziehen sollen. Für die Patientenkommunikation empfehlen sich folgende Punkte:

  • Anamnesebogen aktualisieren: Fragen Sie aktiv nach einem bekannten Vitamin-D-Mangel, laufender Supplementierung sowie Nieren- und Lebererkrankungen.
  • Risikogruppen identifizieren: Hochbetagte Patienten, Menschen mit Systemerkrankungen oder auffälliger Vorgeschichte sind gezielt anzusprechen.
  • Transparenz schaffen: Erklären Sie, dass ein generelles Screening nach aktueller Leitlinie nicht indiziert ist – und begründen Sie dies mit der Datenlage. Das schafft Vertrauen.
  • Keine unkontrollierte Eigentherapie: Patienten, die eigenständig hochdosierte Vitamin-D-Präparate einnehmen, sollten über das Hypervitaminose-Risiko und die Notwendigkeit einer ärztlichen Begleitung aufgeklärt werden.
  • Interdisziplinäre Abstimmung: Bei gesichertem Mangel empfiehlt sich die Abstimmung mit dem behandelnden Hausarzt oder Endokrinologen bezüglich Supplementierungsdosis und Monitoring.

Ausblick: Forschungsbedarf und Weiterentwicklung der Leitlinie

Die Autorinnen und Autoren betonen ausdrücklich den Bedarf an weiteren hochwertigen Studien. Zukünftige Forschung sollte insbesondere untersuchen: den Einfluss der Dauer eines bestehenden Vitamin-D-Mangels, die klinische Bedeutung starker Schwankungen des Vitamin-D-Spiegels sowie mögliche Auswirkungen einer Überdosierung auf den Kieferknochenstoffwechsel. Die Leitlinie ist bis August 2030 gültig – eine Aktualisierung auf Basis neuer Evidenz ist damit perspektivisch zu erwarten.

Mit KI erstellt

Fazit: Leitlinienkonform handeln – individuell denken

Die neue S3-Leitlinie schafft Klarheit in einer lange uneinheitlich gehandhabten Frage. Für die implantologische Praxis bedeutet das: Weg vom Reflexscreening, hin zu einer gezielten, anamnesegestützten Risikoeinschätzung. Vitamin D ist klinisch relevant – aber nur bei den Patientinnen und Patienten, bei denen es relevant ist. Wer das Prinzip der individualisierten Medizin konsequent anwendet, handelt nicht nur leitlinienkonform, sondern auch im besten Interesse seiner Patientinnen und Patienten.

Autorin: Ester Hoekstra, M.Sc., M.Sc.

Quelle

DGI, DGZMK: Relevanz der Vitamin D-Bestimmung und -Supplementierung auf die Implantatprognose und Augmentationschirurgie. Langfassung, Version 1.0, 2025. AWMF-Registriernummer: 083-055. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/083-055

Blogartikel Leitlinie Vitamin D und Implantate

VitaminD Implantate Blogartikel

Infografik Leitlinie Vitamin D und Implantate

Vitamin D und Zahnimplantate

Im Gegensatz zu einer Karies, die den Zahnschmelz und das Dentin im Kronenbereich betrifft, greift die Wurzelkaries vor allem die tieferen Bereiche des Zahnes an und entsteht apikal an der Schmelz-Dentin-Grenze und am Wurzelzement. Die Wurzelkaries ist auch als Alterskaries oder Zahnhalskaries bekannt. Eine Wurzelkaries breitet sich eher oberflächlich und nicht so tief in Richtung Pulpa aus (Zahnmark) als die koronale Karies, was durch die Pufferwirkung des Sulcusfluids erklärt werden kann. Sie ist häufiger an vestibulären als an lingualen Wurzeloberfläche lokalisiert und insbesondere bei älteren Patienten an Approximalflächen zu finden. 

Wie entsteht Wurzelkaries? 

Wurzelkaries kann entstehen durch Attachmentverlust, zum Beispiel nach einer Parodontitis-Behandlung, Trauma, KFO-Behandlung oder altersbedingt. Die freiliegenden Wurzeloberflächen sind für den Biofilm und somit für Bakterien leicht zugänglich. Gerade diese Areale sind für die Patienten oft schwer zu pflegen. Die Oberfläche der Wurzel ist mit eine Schicht Wurzelzement bedeckt, die durch verschiedene Verfahren wie das Putzen, Entfernen von Zahnstein, Polieren oder Kürettieren entfernt worden sein. Aber auch wenn das Wurzelzement noch intakt ist, ist es leicht angreifbar für Bakterien, da das darunter liegende Wurzeldentin aus 30% organischen Materialien, hauptsächlich Kollagen, bestehen. Das leicht anzugreifenden freiliegende Kollagen ist ein einfacher Anhaftungspunkt für Bakterien. Oft werden bei früheren Läsionen Laktobazillen oder Bifidobakterien angetroffen, die im koronalen Bereich erst bei fortgeschrittenen Dentinkavitäten häufig sind. Es ist außerdem bekannt, dass Dentin gegenüber einer Demineralisation empfindlicher ist als Zahnschmelz. Das gilt auch für die Zementschicht. 

Gefährdete Patientengruppen 

Die Wurzelkaries befällt vorwiegend Menschen im höheren Lebensalter und Pflegebedürftige und davon gibt es immer mehr. Früher war es so, wenn Zähne bis ins hohe Alter erhalten wurden, schlug spätestens die Parodontitis zu, mit dem Ergebnis des Zahnverlustes. Wurzelkaries hatte bei den wenigsten Menschen bislang Gelegenheit sich zu der zweiten Form der Karies zu entwickeln. Da die Prävention immer wichtiger geworden ist, und damit auch bis ins höhere Alter die eigenen Zähne behalten werden können, hat Wurzelkaries mehr Gelegenheit sich zu entwickeln. Wir sehen vor allen bei den älteren Patienten die Änderung der motorischen Fähigkeiten, aber auch das Ernährungsverhalten und die Mundpflege kann sich im Laufe der Jahre verändern und dadurch das Kariesrisiko modifizieren. Bei der Nahrung kann die Kaufunktion eingeschränkt sein, wodurch immer mehr zu kariogenen statt frischen Lebensmitteln, wie Gemüse und Obst, gegriffen wird. Zudem hat das Pflegepersonal oft zu wenig Zeit bei deren Patienten die Mundpflege adäquat durchzuführen oder zu wenig Kenntnis wie eine optimale Mundhygiene aussieht in verschiedene Situationen, wie Implantate und ZE. Durch Erkrankungen und Medikamente (Polypharmazie) kann auch eine Reduktion der Speichelbildung entstehen, wodurch die Oral Clearance weniger wird. Der Speichel unterstützt die Oral Clearance von Nahrungsbestandteile aus der Mundhöhle, hat Pufferfunktion und ist durch die Übersättigung mit Kalzium und Phosphat kariesprotektiv. Bei Xerostomie fehlt diese Funktion. 

Diagnose der Wurzelkaries 

Die Diagnose von aktiver Wurzelkaries ist abhängig von der Beurteilung von Farbe, Struktur, Aussehen, Kavitation und der Nähe zur Gingiva. Klinischen Inspektion und taktilen Untersuchung reichen in den meisten Fälle aus. Röntgenologie kann vor allem im approximalen Bereich ein zusätzliches Tool sein. Aktive, voranschreitende Läsionen weisen eine bei Sondierung erweichte, lederartige Oberfläche auf. Inaktive Läsionen haben eine harte, oft sehr dunkel verfärbte Oberfläche. Eine in vivo durchgeführte Studie zeigt vielversprechende Resultate im Hinblick auf korrekte Messungen von Effekten von Remineralisationsinterventionen auf individuelle Läsionen. In-vitro-Studien haben gezeigt, dass eine mineralisierte Oberflächenzone die Kinetik der Wasserverdunstung und die Oberflächentemperatur beim Trocknen beeinflusst. Temperaturveränderungen können durch Messung der Wärmeabstrahlung mit Hilfe der Wärmebildtechnik überwacht werden. Allerdings gibt es dieses Verfahren noch nicht auf dem Markt (Yang V, Zhu Y, Curtis D et al. 2020). 

Wurzelkaries behandeln 

Die Behandlung von Wurzelkaries erfordert das Überwinden vieler Herausforderungen. Die Trockenlegung ist erschwert, weil die Wurzelkaries oft in der Nähe der Gingiva auftritt, damit können feuchtigkeitsempfindliche Materialien wie Komposite nur bedingt eingesetzt werden. Außerdem können älteren, pflegebedürftigen Patienten eventuell nicht auf dem Zahnarztstuhl in der Praxis, sondern müssen im Pflegeheim behandelt werden, wodurch es erschwert wird, die Umstände zu kreieren, die für eine adäquate Füllungstherapie notwendig sind. Bei nicht kavitierten Wurzelkariesläsionen sollte eine Arretierung mit zum Beispiel einer Zahnpasta mit 5.000 ppm eingesetzt werden. Bei der Präparation sollten die überhängenden Schmelzränder entfernt werden, um die Zugänglichkeit für die häusliche Mundhygiene zu verbessern. Ob eine Füllungstherapie sinnvoll ist oder nicht, hängt unter anderem von der Möglichkeit der häuslichen Plaqueentfernung und Fluoridzufuhr ab. Bei viele Hochrisikopatienten werden diese allerdings nicht verlässlich gewährleistet sein. Wenn die Kavität approximal (also schwer zugänglich) auftritt oder ein erhöhtes Kariesrisiko durch eingeschränkte häusliche Mundhygiene vorliegt, kann für die Füllungstherapie entschieden werden, Restaurationsmaterialien wie Komposite oder Glasionomerzemente zu verwenden. 

Gefahren bei nicht rechtzeitiger Behandlung 

Bei nicht rechtzeitiger Behandlung kann es zu einer Pulpitis kommen, welche von Schmerzen begleitet werden kann. Studien zeigen, dass sich im Dentin der Wurzel weniger Dentinkanälchen befinden als im Dentin der Krone. Es befindet sich bereits in einem „reiferen“ Stadium, wodurch die Pulpa sich im Laufe des Alters zurückzieht und dementsprechend die gleichen Defekte im jüngeren Alter und im Dentin der Krone schmerzhafter wären. Der Wurzelkaries kann außerdem zum Zahnbruch führen, da der Wurzelkaries sich nicht nur nach apikal ausbreitet, sondern auch perikoronal. Es könnte in den schlimmsten Fällen zu Zahnverlust führen.

Präventionsmöglichkeiten 

Eine Reihe von Maßnahmen können dazu beitragen, die Bildung von Wurzelkariesläsionen zu reduzieren oder ganz zu verhindern. Als Erstes gilt es, die Risikofaktoren individuell zu identifizieren und entsprechend zu beeinflussen. Defizite der Mundhygiene können in der Prophylaxe einfach festgestellt werden durch die Aufnahme eines Plaque- und Blutungs-Indexes. Anhand dieser Ergebnisse können gezielte individuelle Mundhygiene-Instruktionen gegeben werden mit gegebenenfalls angepassten Hilfsmitteln, wie zum Beispiel einem Tennisball um den Griff der Zahnbürste. Zudem kann zusätzliche Fluoridierung mit zum Beispiel Lacken oder das tägliche Putzen mit einer 5000 ppm Zahnpasta als Kur auch eine Maßnahme sein, von der diese Patientengruppe profitieren kann. Mit einer Ernährungsanamnese kann evaluiert werden, ob regelmäßig Nahrung aufgenommen wird, die zur Kariesentstehung beiträgt. Menge und Frequenz der Zufuhr von niedermolekularen Kohlenhydraten sind mitunter auch verantwortlich für die Wurzelkaries. Bei der Inspektion sollten Patienten auch auf verminderten Speichelfluss gescreent werden. Eventuelle Abklärung einer noch nicht diagnostizierten Allgemeinerkrankung oder eventuelle Anpassung der Medikamente können diese Patienten ebenfalls helfen. Auch zwischendurch zuckerfreie, Kaugummis oder Lutschbonbons zu kauen beziehungsweise zu lutschen kann Abhilfe schaffen. 

Bezvershenko Quellen: Schwendicke F, Göstemeyer G, Die zweite Form der Karies: Wurzelkaries, https://www.pnc-aktuell.de/prophylaxe/story/die-zweite-form-der-karies-wurzelkaries__8317 Mantourani M, Fenlon M, Beighton D, Association between Bifisobacteriacease and the clinical severitiy of root caries lesions. Oral Microbiol Immunol, 2009;24(1):32-7 Baginska J, Stokowska W. Pulpal involvement-roots-sepsis index: a new method for describing the clinical consequences of untreated dental caries. Med Princ Pract. 2013;22(6):555-60. doi: 10.1159/000354193. Epub 2013 Aug 13. PMID: 23949116; PMCID: PMC5586805 Yang V, Zhu Y, Curtis D et al., Thermal Imaging of Root Caries in Vivo, J Dent Resn2020; DOI:10.1177/0022034520951157 Scholz J, Buchalla W. Wurzelkaries – kennen, erkennen, erfolgreich therapieren, ZWR – Das Deutsche Zahnärzteblatt 2019; 128:502-509 Georg Thieme Verlag KG Stuttgart. doi:10.1055/a-1011-7974

Empfindliche Zähne. Schmerzempfindliche Zähne sind ein anhaltendes klinisches Problem, das eine große Herausforderung für das zahnärztliche Team darstellt und die Lebensqualität der Patienten drastisch beeinträchtigt. Ein besseres Verständnis der Schmerzempfindlichkeitsbelastung und der damit verbundenen Faktoren kann bei der Ressourcenplanung zur Reduzierung und Verhinderung jeglicher durch diese Erkrankung verursachten Beschwerden hilfreich sein und den Behandlungsentscheidungsprozess in der Praxis unterstützen [1].

Schmerzempfindlichkeit der Zähne ist ein Symptom, und hat Auswirkungen auf die Mundgesundheit und Lebensqualität des Patienten. Die Schmerzempfindlichkeit ist häufig durch eine Dentinhypersensibilität bedingt. Dentinhypersensibilität ist definiert als ein kurzer, stechender Schmerz, der normalerweise als Reaktion auf thermische, verdunstungsbezogene, taktile, osmotische oder chemische Reize entsteht und keiner anderen Zahnerkrankung zugeschrieben werden kann. Zervikale Dentinhypersensibilität, empfindliche Zahnhälse, hypersensible Zahnhälse oder sensible Wurzeloberfläche sind Bezeichnungen, die alle für dasselbe Beschwerdebild verwendet werden. Die Entwicklung von Dentinhypersensibilität wurde auf eine Schwelle offener Dentintubuli zurückgeführt, die auf den Verlust der Zement-, Schmier- und/oder Häutchenschicht der zervikalen Wurzeloberflächen zurückzuführen ist. Dentinhypersensibili- tät wurde in der modernen Literatur als eine schnell induzierte Schmerzreaktion auf einen Reiz durch Luft, Kälte, Berührung, elektrische Impulse, Säureeinwirkung oder eine Kombination dieser Reize am Dentin im zervikalen Bereich des Zahns beschrieben [2].

Ätiologie



Den im Mund sichtbaren Teil des Zahns bezeichnet man als Zahnkrone und den im Kiefer steckenden, nicht sichtbaren Teil als Zahnwurzel. Der meist fließende Übergang zwischen Zahnkrone und Zahnwurzel ist der Zahnhals. Die Zahnkrone wird von Schmelz bekleidet, der aus anorganischen Komponenten (ca. 95 %; Kalzium, Phosphat, Magnesium, Natrium usw.), organischen Bestandteilen (Proteine) und Wasser besteht. Die Kalziumphosphatverbindung im Schmelz heißt Apatit und Apatitkristalle bilden sog. Prismen, die eng aneinander liegen. In den Zwischenräumen befindet sich Wasser und über diese Wasserhülle können Ionen aus der Mundhöhle abgelagert werden, wie etwa die Fluoridionen, die den Schmelz vor Demineralisation schützen. Durch die Einlagerung von Fluoridionen in den Schmelz wird der Schmelz resistenter gegen Säureangriffe. Schmelz ist die härteste Substanz des Körpers, er kann Fluoridionen aufnehmen, wird aber nach Zahndurchbruch nicht mehr neu gebildet. Seine Oberfläche ist schmerzunempfindlich. Dentin befindet sich unter dem Schmelz und besteht aus organischen (ca. 20 %; Kollagen, Nicht-Kollagen-Matrix und Wasser) und anorganischen Bestandteilen ( ca. 70 %; Kalzium, Phosphat usw.). Im Dentin sind mit Flüssigkeit gefüllte Kanälchen (Dentintubuli), die zur Pulpa führen; aus der Pulpa ragen Odontoblasten und Nervenendigungen in das Dentin. Zu den wichtigsten Eigenschaften des Dentins zählt, dass es die Hauptmasse des Zahns ausmacht, lebenslang neu gebildet werden kann, aus Hydroxylapatit besteht und schmerzempfindlich ist. Die Gingiva ist ein Teil des Parodonts, dient zur Verankerung der Zähne und bildet einen Teil der Mundhöhlenauskleidung. Sie bietet außerdem einen Schutz vor äußeren Reizen. Eine klinisch gesunde Gingiva ist blassrosa, liegt fest am Zahn an und blutet nicht bei Sondierung. Als letzte Struktur ist das Wurzelzement zu nennen. Das Wurzelzement bedeckt die gesamte Zahnwurzel. Streng genommen ist es ein Teil des Zahns, funktionell gehört es zum Zahnhalteapparat, da die Bindegewebsfasern und die Wurzelhautfasern in ihm verankert sind. Das Zement wird von der Schmelz-Zement-Grenze zum Apex hin immer dicker [3]. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Dentinhypersensibilität bei nichtkariösen zervikalen Läsionen durch freiliegende Dentintubuli an der Dentinoberfläche verursacht wird. Gewöhnlich wird die Freilegung des Dentins im zervikalen Bereich durch drei Faktoren verursacht: Abrasion, Erosion und Abfraktion [4], auch wenn nicht immer die Prozesse von Abrasion, Erosion und Abfraktion eine Schmerzempfindlichkeit der Zähne verursachen. Darüber hinaus neigen Personen mit einem dünnen Zahnfleischphänotyp (d. h. mit einem schmalen Band keratinisierter Schleimhaut) dazu, mehr Biofilm anzusammeln, und werden daher anfälliger für Zahnfleischrückgang und anschließende Dentinfreilegung (Fotos 1 und 2). Der Schweregrad der Schmerzempfindlichkeit hängt von den Eigenschaften des freiliegenden Dentins ab, d. h., nicht jede Freilegung des Dentins führt zu einer lokalen Überempfindlichkeit.


Das Vorhandensein einer Schmierschicht, das Ausmaß der peritubulären Dentinsklerose und das lokale Ausmaß des reparativen Dentins können die Durchgängigkeit der Dentintubuli verändern und so den Flüssigkeitsfluss und die Stimulation des Odontoblastenprozesses verringern. Das bedeutet, dass es dadurch zu einer Änderung der Stimulidurchlässigkeit kommen kann und dementsprechend weniger Sensibilitäten entstehen. Ein Großteil der aktuellen Meinungen zur Dentinhypersensibilität basiert eher auf logischen und vernünftigen Annahmen als auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die aktuelle Theorie besagt, dass empfindliches Dentin auf dem reizinduzierten Flüssigkeitsfluss in den Dentintubuli und der daraus resultierenden Nozizeptoraktivierung im Grenzbereich von Pulpa und Dentin beruht. Es wird angenommen, dass intradentale myelinisierte Fasern (Aβ-und einige Aδ-Fasern) auf Reize reagieren, die die Flüssigkeit in den Dentintubuli verdrängen, was zu den charakteristische kurzen, scharfen Schmerzen einer Dentinhypersensibilität führt Diese Art der Flüssigkeitsbewegung kann durch Messung der hydraulischen Leitfähigkeit des Dentins quantifiziert werden. Daher hat Dentin mit einem hohen Leitwert einen niedrigen Widerstand und umgekehrt. Humanstudien haben gezeigt, dass die Durchgängigkeit der Dentintubuli ein wichtiges Merkmal von empfindlichem Dentin ist, mit einer signifikant positiven Korrelation zwischen der Dichte der Tubuli und den Schmerzreaktionen, die durch freiliegende zervikale Dentinoberflächen hervorgerufen werden. Über etwaige Pulpaveränderungen, die mit Sensibilitätsschmerzen einhergehen, wurde unter Forschern viel diskutiert. Der Status der Pulpa bei Dentinhypersensibilität ist nicht bekannt, obwohl die Symptome aufgrund ihrer langen Dauer darauf schließen lassen, dass es unwahrscheinlich ist, dass eine akute oder chronische Entzündung vorliegt. Die meisten Untersuchungen berichten über keinen Zusammenhang zwischen Pathologie und Symptomen. Weitere Studien an extrahierten Zähnen lieferten überzeugende Beweise für diesen Zusammenhang,
wobei empfindliche Zähne im Vergleich zu nichtempfindlichen viel mehr (achtmal) und auch breitere (zweimal) Tubuli im bukkalen Halsbereich aufwiesen. Darüber hinaus wurde nur bei empfindlichen Zähnen ein Eindringen von Farbstoff in die Pulpa beobachtet. Kürzlich wurden neue Erkenntnisse gewonnen, die eine mögliche wichtige Rolle der Odontoblasten im Schmerzmechanismus der Dentinhypersensibilitätbelegen. Die Odontoblasten sind eng mit den Nervenenden verbunden, und biologische Signale werden wahrscheinlich von den Odontoblasten an die Axone und umgekehrt weitergeleitet. Eine sensorische Innervation (Wahrnehmung von Schmerzen) findet nur in Dentintubuli mit lebensfähigen Odontoblasten statt, die ihre Säulenform beibehalten [5].

Foto 1: Beispiel dünne Phänotyp

Foto 2: Beispiel dicke Phänotyp

Behandlung

Es gibt verschiedene Ursachen von Dentinhypersensibilität. Die bekanntesten sind Karies, Erosion, Abrasion, Abfraktion, Parodontitis, Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation und Bleaching. Diagnose und Behandlung der Dentinhypersensibilität sind aufgrund deren multifaktorieller und gelegentlich multiätiologischer Natur komplex. Eine große Herausforderung in der Behandlung ist die Subjektivität der individuellen Schmerzwahrnehmung. Auch das Vorhandensein von Störfaktoren wie Ernährung, Hygiene, Rauchen und parafunktionellen Gewohnheiten sowie die Gesundheit der Pulpa und des Parodonts können die Diagnostik und Behandlung der Dentinhypersensibilität erschweren [16]. Die therapeutischen Modalitäten können in zwei unterschiedliche Ansätze zur Behandlung offener Dentintubuli unterteilt werden. Bei der ersten Modalität handelt es sich um lokale oder systemische Behandlungen, die darauf abzielen, die eigentlichen Schmerzsymptome zu beruhigen oder zu lindern. Die zweite Modalität ist ein mechanischer Ansatz, bei dem die Tubuli abgedichtet werden sollen. Der mechanische Ansatz kann weiter unterteilt werden nach dem Einsatz rein mechanischer Blockiermittel (Lacke und Versiegelungen) oder solcher Mittel, die die Remineralisierung und/oder das Verstopfen der Tubuli fördern, eine weitere Demineralisierung verhindern oder tatsächlich Mineralien im Tubulus ablagern sollen. Betäubende Mittel können sowohl bei der anfänglichen mechanischen Verstopfung als auch beim langfristigen Remineralisierungsprozess eine Rolle spielen. Die häufigste medikamentöse Behandlung ist die Zugabe von 5 % Kaliumnitrat oder Kaliumcitrat zu Zahnpasta. Beide Substanzen zeigten eine klinische Wirksamkeit, wenngleich die Wirkungen unterschiedlich ausfielen. Kalziumprodukte werden seit Jahrzehnten empfohlen, wobei Analysen von In-vitro-Daten eine Verengung der Tubuli bei Behandlung mit Kalziumhydroxid belegen. Anfang der 1990er-Jahre wurde ein Produkt auf der Basis von amorphem Kalziumphosphat (ACP) in den Handel gebracht. Das Zahnputzmittel enthielt Natriumfluorid, Kalziumsalze und Phosphatsalze [17]. Es ist allgemein anerkannt, dass Speichel mehrere Funktionen bei der Verhinderung der Demineralisierung und sogar bei der Förderung der Remineralisierung hat. Zu diesen Funktionen gehören die Pufferung von Säuren mithilfe von Bikarbonat, Speichelproteinen und Kalziumphosphat sowie die Verdünnung und Beseitigung erosiver Wirkstoffe. Eine Verbesserung der Speichelfunktion könnte also auch ein Behandlungsansatz sein. Die lokale Applikation von Kaliumnitrat vor und nach Bleaching kann laut einer Studie die Hypersensibilität verringern [18]. Die Zahnaufhellung wurde durch die lokale Applikation nicht beeinflusst. Verschiedene Behandlungsmodalitäten werden in der klinischen Routine von Zahnärzten direkt angewendet oder für den Heimgebrauch verschrieben, mit unterschiedlichem Wirksamkeitsgrad. Etwa 50 % der Zahnarztpraxen berichten von einem Mangel an Vertrauen der Patienten in die Behandlung der Dentinhypersensibilität-bedingten Schmerzen. Viele Zahnärzte empfehlen eine Reihe unterschiedlicher Modalitäten für die Behandlung von DH in der Praxis. Einige Zahnärzte empfehlen eine einzelne Behandlungsmethode, andere empfehlen eine Kombination von Behandlungen. Die von den Zahnärzten am häufigsten empfohlene Behandlung ist die Verwendung einer rezeptfreien („over the counter“ [OTC]) desensibilisierenden Kaliumnitrat-Zahnpasta, allein oder in Kombination mit anderen Behandlungen. Dieses Regime wird bei ca. 50 % der Patienten empfohlen, gefolgt von der Anwendung von Fluoridlack (28 %) und einer Behandlung, die als „andere“ kategorisiert wurde, einschließlich desensibilisierender OTC-Streifen bei 21 % der Patienten mit Dentinhypersensibilität. Die Verschreibung von Fluoridzahnpasta wird bei 17 % empfohlen. 8 % der Patienten wird eine restaurative Behandlung nahegelegt. Zusammenfassend kann man sagen, dass desensibilisierende rezeptfreie Kaliumnitrat-Zahnpasta und Fluoridprodukte zurzeit die am häufigsten empfohlenen Produkte zur Behandlung von Dentinhypersensibilität in der Praxis sind (Abb. 1). Beispiele für beliebte Desensibilisierungsmittel in Form von Fluoridlacken sind Provanish (VOCO) und Duraphat (CP GABA). Andere In-Office-Desensibilisatoren sind GLUMA-Produkte (Heraeus Kulzer), Sensodyne MultiCare Zahnpasta (GlaxoSmithKline/Hale-on), Elmex Sensitive Professional (CP GABA), MI Paste (GC)und Bifluorid (VOCO) [19, 20, 21]. Durch eine Metaanalyse konnte ein alternativer Therapieansatz gestärkt werden: Der Einsatz eines Low-power-Lasers in der Therapie von Dentinhypersensibilität führte dazu, dass die von Patienten berichteten durchschnittlichen Schmerzen nach 3-monatiger Nachbeobachtungszeit im Vergleich zu den durchschnittlichen Schmerzen vor der Behandlung mit der Lasertherapie geringer waren. Die Verbesserung der Lasertechnologie hat dazu geführt, dass die Lasertherapie als neue Behandlungsalternative für Dentinhypersensibilität in Erwägung gezogen werden kann [22]. Wichtig bei diesem Therapieansatz sind die vorausgehende Anamnese und Diagnose sowie die Präferenzen der Praxis.

WAS IST DIE ABNEHMSPRITZE?
Die sogenannte „Abnehmspritze“ hat sich in den letzten Jahren als viel diskutiertes Instrument zur Gewichtsreduktion etabliert. Wirkstoff GLP-1- Rezeptoragonisten, insbesondere Semaglutid, haben sich in der modernen Diabetologie und Adipositastherapie etabliert. Neben ihrer bekannten systemischen Wirkung auf Blutzuckerregulation und Gewichtsreduktion zeigen sich auch klinisch relevante orale Auswirkungen, die sowohl aus pharmazeutischer als auch zahnmedizinischer Perspektive Beachtung verdienen.


Was ist GLP-1 überhaupt?
GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1) ist ein körpereigenesHormon, das im Dünndarm nach Nahrungsaufnahmefreigesetzt wird. Es gehört zu den sogenanntenInkretinen, die eine zentrale Rolle bei der Regulation desBlutzuckerspiegels spielen und somit war es für die Typ-2Diabetologie als erstes eingesetzt. “Aus Versehen” ist esdann in der Adipositas-Therapie erfolgreich zurAnwendung eingesetzt worden. Die sogenannte „Abnehmspritze“ hat sich in den letzten Jahren als viel diskutiertes Instrument zur Gewichtsreduktion etabliert. Wirkstoff GLP-1- Rezeptoragonisten, insbesondere Semaglutid, haben sich in der modernen Diabetologie und Adipositastherapie etabliert. Neben ihrer bekannten systemischen Wirkung auf Blutzuckerregulation und Gewichtsreduktion zeigen sich auch klinisch relevante orale Auswirkungen, die sowohl aus pharmazeutischer als auch zahnmedizinischer Perspektive Beachtung verdienen.


Tiefergehende Wirkmechanismen Pankreas
GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA)wie Semaglutid imitieren die Wirkungvon natürlichem GLP-1 – aber mitlängerer Halbwertszeit undverstärkter Wirkung. Ihre Effekteentfalten sich auf mehreren Ebenen:

Pankreas:Glukoseabhängige Insulinfreisetzung 
In der Pankreas werden die Beta-Zellen aktiviert, welches resultiertin → mehr Insulin bei hohemBlutzuckerAuch hemmt es der Alpha-Zellen →welches wiederum in wenigerGlukagon resultiert→ wenigerGlukosefreisetzung aus der Leber.

Zentrales Nervensystem: Appetitkontrolle
GLP-1-R ezeptoren beeinflussen imHypothalamus dasSättigungszentrum. Das Resultat:Patienten haben wenigerHunger,haben ein längeresSättigungsgefühl und nehmendadurch automatisch wenigerKalorien zu sich.

WOAUF HAT DIE ABNEHMSPRITZE NOCH MEHR EINFLUSS?

Das GLP-1-Agonist hat auf mehr Prozesse im Körper Einfluss und zwar auf den Magen-Darm-Trakt:, es hat positive Kardiovaskuläre Effekte und, was noch untersucht wird, es kann auch als Neuroprotektion arbeiten . Wir gehen auf jede einzelne ein.
Im Magen-Darm-Trakt haben wir eine verzögerte Passage der Nahrung, wodurch ein längeres Sättigungsgefühl entsteht. Außerdem entsteht ein geringerer postprandialer Blutzuckeranstieg. Studien zeigen: GLP-1-RA können durch ihre mögliche Entzündungshemmung und Blutdrucksenkung das kardiovaskuläre Risiko senken . Es gibt Anzeichen, dass GLP-1- Agonisten positive Effekte haben können bei Alzheimer und anderen neurodegenerativen Erkrankungen durch Reduktion von Entzündungsprozessen im Gehirn.

Fett schmelzen lassen 
Wir wissen jetzt wie die Abnehmspritze funktioniert, aber welche Namen gibt es alles auf dem Markt? Die Abnehmspritze ist nämlich kein einzelnes Medikament, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene GLP-1-Rezeptor-Agonisten und verwandte Substanzen.

HandelsnameWirkstoffAnwendungshäufigkeitUrsprünglicher Einsatz
OzempicSemaglutid1x wochentlichTyp-2 Diabetes
WiegovySemaglutid1x wochentlichAdipositas
SaxendaLiraglutid1x täglichAdipositas
MounjaroTirzepatid1x wochentlichDiabetes & Adipositas
ZepboundTirzepatid1x wochentlich(USA) Adipositas

WIE NIMMT MAN DIESES MEDIKAMENT ZU SICH?

Die Medikamente sind in zwei Hauptformen erhältlich: Subkutane Injektion (Spritze) und die orale Einnahme (Tablette).

Die Spritze wird meist einmal wöchentlich im Bauch, Oberschenkel oder Oberarm injiziert. Die Dosierung erfolgt schrittweise um Nebenwirkungen zu minimieren. Zum Beispiel erster Monat 0,25mg, zweiter Monat 0,50mg usw. Beispiele von Spritzmedikamente sind Ozempic ® , Wegovy ® , Saxenda ® , Mounjaro ® . Die Tabletten sind auch unter dem Namen Rybelsus ® verfügbar und die Einname erfolgt nüchtern, mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück mit Wasser. Die Wirkung von der Tablette ist vergleichbar mit der Spritze, jedoch kann die Bioverfügbarkeit variieren.Das Medikament ist nur mit einem ärztlichen Rezept verfügbar und nicht freiverkäuflich. Vorher soll eine ärztliche Anamnese, Beratung und eine enge Begleitung erfolgen. 

Einfluss auf Mundraum und Schleimhaut 
Die Benutzung von GLP-1_Agonisten kann auch eine negativen Einfluss auf die Mundhöhle haben. Nebenwirkungen die schon mal vorgekommen sind, sind u.a. Xerostomie (Mundtrockenheit), Dysgeusie (veränderter Geschmackssinn), Übelkeit und Hypersalivation, Gingivahyperplasie, Karies, Gingivitis bis hin zu Parodontitis

Xerostomie
Auch bekannt als Mundtrockenheit, kann ein Nebenwirkung von der Wirkstoff GLP-1-Agonisten sein. Es ist wichtig Patienten die dieses Medikament benutzen aufzuklären über Mundtrockenheit und was die Folgen von Mundtrockenheit sein können. Verminderte Speichelsekretion kann die orale Flora stören und die Kariesanfälligkeit erhöhen.

Dysgeusie
Dysgeusie ist auch bekannt als veränderter Geschmackssinn. Dies tritt vor allem während der Eindosierungsphase auf, da der Körper sich neu einstellen muss. In den meisten Fälle legt sich das auch wieder, Geduld ist da allerdings gefragt.

Übelkeit & Hypersalivation
Während die Dosierungsaufbau kann es zu Übelkeit und Hypersalivation führen. Wichtig ist es, diesen Symptomen mit dem behandelnden Arzt zu besprechen. Vielleicht kann eine langsamere Dosierungsaufbau helfen, um den Symptomen zu lindern.

Ab welchem BMI kann es benutzt werden?
Die Anwendung von Abnehmspritzen wie Semaglutid (Ozempic®, Wegovy®), Liraglutid (Saxenda®) oder Tirzepatid (Mounjaro®) ist an bestimmte medizinische Voraussetzungen geknüpft – insbesondere den Body-Mass-Index (BMI). Die wichtigsten Richtwerte sind ein BMI ab 30, was die Standardgrenze für die medizinische Indikation bei Adipositas Grad I ist. Bei ein BMI ab 27 ist es auch möglich, wenn Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck oder Fettstoffwechsel-störungen vorliegen.

Äußere Veränderungen
Natürlich ändert sich das äußere Erscheinungsbild im Lauf der Behandlungszeit – das ist sicher eines der Ziele beim Abnehmen. Bei der Abnehmspritze sind sind u.a. eingefallene Wangen ein bekanntes Effekt.: Durch den raschen Fettverlust verliert das Gesicht Volumen. Auch kann schlaffe Haut vorkommen: Die Haut kann sich nicht schnell genug zurückbilden, was zu Faltenbildung führt. Auch ein gealtertes Erscheinungsbild kommt vor. Betroffene wirken optisch älter, da die Hautstruktur leidet. Das alles wird auch als “Ozempic Face” bezeichnet,

Auch “Ozempic Body” ist ein bekanntes Phänomen. Hautüberschuss: besonders an Bauch wird oft in der Literatur erwähnt, an Oberarmen und Oberschenkeln kann überschüssige Haut entstehen. Das Bindegewebe wird schwächer, was zu einem „hängenden“ Erscheinungsbild führen kann. Bei unzureichender Eiweißzufuhr und fehlendem Krafttraining kann Muskelmasse verloren gehen. Wichtig ist also sowohl vorher als auch während der Behandlung Krafttraining und eine ausgewogene Ernährung mit extra Eiweiß zu sich zu nehmen und eventuell mit Nahrungsergänzungsmittel zu supplementieren. Das kann auch in der Praxis erfolgen, wenn eine fundierte Ausbildung in diesem Bereich vorliegt.

Was ist jetzt das Fazit?
Die Abnehmspritze ist nicht für alle Menschen eine Option. Wichtig ist, bevor man zu eine Abnehmspritze entscheidet, sich beraten lassen von einem Arzt oder Ärztin. Für den Umgang mit Patienten die der Abnehmspritze nehmen, kann es zu orale Nebenwirkungen kommen. Sobald in der zahnärztliche Anamnese hochkommt, dass der Patient das Medikament einnimmt, sollen die zahnärtzlichen Professionals einen besonderen Blick auf die Nebenwirkungen wie u.a. Mundtrockenheit, Geschmacksveränderungen und gegebenenfalls Mundschleimhautveränderungen und Gingivitis. haben. Frag auch ruhig extra nach, ob Patienten dieses Medikament zu sich nehmen. Es kann schon genommen werden ab ein BMI von 27. Wichtig ist auch, sensibel nachzufragen, weil viele das nicht “verraten” und Geheim halten , weil es ein Tabuthema ist.

#esterdeutsch

Die Abnehmspritze, ist nur scheiße?

2025-Blog-Abnehmspritze-by-Ester

Teams sind wichtig

Teams können Ziele erreichen, die Einzelpersonen nicht erreichen können. Ausserdem sind da zahlreiche Belege aus vielen Bereichen, darunter auch dem Gesundheitswesen, die zeigen, dass effektive Teams Erfolge erzielen. Sogar exzellente Erfolge. Aber Teams können entweder erfolgreich sein oder scheitern, das liegt an viele Faktoren. Wir wissen, dass effektive Teams bestimmte Eigenschaften haben.

Aufbau

Daher ist der Aufbau eines effektiven Teams eine wichtige Fähigkeit für (Zahn)Arztpraxen. Dennoch ist Teambuilding selten in den traditionellen (zahn)medizinischen Lehrplänen enthalten, und die meisten Zahnärztinnen und Zahnärzte (Vorgesetzte) lernen dadurch leider nicht, wie man ein Team aufbaut.

(Stoller JK. Building Teams in Health Care. Chest. 2021 Jun;159(6):2392-2398. doi: 10.1016/j.chest.2020.09.092. Epub 2020 Sep 21. PMID: 32971073)

Effektive Teams haben spezifische Eigenschaften

Laut Katzenbach und Smith (1999) ist ein Team „eine kleine Gruppe von Menschen (in der Regel weniger als 20) mit ergänzenden Fähigkeiten, die sich für ein gemeinsames Ziel und eine Reihe spezifischer Leistungsziele engagieren“.

(Katzenbach JR, Smith DK. The Wisdom of Teams: Creating the High-Performance Organization. HarperCollins, New York, NY 1999)

Bedeutung von Größe

Jedes Element dieser Definition – kleine Größe, komplementäre Fähigkeiten, gegenseitiges Engagement für gemeinsame Zwecke und Ziele – sind von entscheidender Bedeutung. Die Größe des Teams ist wichtig, vor allem nicht zu große Teams, damit die Stimme jedes einzelnen Teammitglieds gehört und positiv bewertet werden sollte.

Sub-Teams

Die geringe Größe (weniger als 20 Personen) ermöglicht das Engagement der Mitglieder, was von entscheidender Bedeutung ist für Teamerfolg. Wenn also ein Team größer ist als 20, kann es hilfreich sein, Sub-Teams zu erstellen, damit die Teams wieder kleiner werden und dadurch der Zusammenhalt erhöht wird.

Alles schön und gut, aber wie packt man sowas an?

In der (Zahn)Arztpraxis arbeiten viele Frauen und Du weißt ja was die sagen über Frauen… Zickenkrieg vorprogrammiert. Aber ist das wirklich wahr? Nein! Klar, sind Frauen anders als Männer und kommunizieren dementsprechend auch anders. Was nicht bedeutet, dass wir Frauen nicht gut zusammenarbeiten können.

Frauen „lesen“ anders

Frauen sind zum Beispiel besser darin andere Menschen lesen. In eine Studie von Spies und Servincer (2018) ist herausgekommen, dass Frauen besser sind im Erkennen von authentischem und nicht-authentischem Lachen als Männer. Wir haben dafür ein extra Radar. Dementsprechend ist auch die Kommunikation mit Frauen und vor allem unter Frauen anders als bei Männern.

(Spies M, Sevincer AT. Women outperform men in distinguishing between authentic and nonauthentic smiles. J Soc Psychol. 2018;158(5):574-579. doi: 10.1080/00224545.2017.1409187. Epub 2018 Jan 8. Erratum in: J Soc Psychol. 2020;160(2):264-266. doi: 10.1080/00224545.2019.1599547. PMID: 29182453.)

Aber egal ob mehr Frauen oder mehr Männer, Kommunikation ist und bleibt herausfordernd

In der Praxis haben wir es nämlich mit vielen unterschiedlichen Charakteren zu tun. Wir werden einfach zusammen gewürfelt und müssen mal klarkommen miteinander. Das das nicht immer so einfach ist, brauchen wir keinem zu erzählen. Mittels Gespräche oder auch durch Persönlichkeitstests, lernt das Team sich besser kennen. Weil wenn man sich besser versteht, warum jemand etwas macht, was er macht, wird das Verständnis füreinander auch größer.

Teammeeting: Was auch wichtig ist für ein gutes Betriebsklima, sind regelmäßige Teammeetings. Nicht die Art bei der jeder sich auskotzt und immer das Gleiche erzählt wird, sondern die strukturiert und konstruktiv sind. Und nein, 1 oder 2 mal im Jahr reichen definitiv nicht aus. Je nach Praxisstruktur und -größe, kann es 1-mal wöchentlich, 1-mal monatlich oder alle 6 Wochen sinnvoll sein.

Auch Teambuildingstage: bei der zum Beispiel (unter Anleitung) Spiele gespielt werden, können zu einem besseren Betriebsklima beitragen. Ein Praxishymne oder Praxislied kann auch der Atmosphäre zugutekommen.

Blick auf sich selbst: Wichtig für ein gutes Betriebsklima ist, dass man erst bei sich schaut. Wer bin ich, was sind meine Stärken und Schwächen. Dann das Verständnis füreinander aufbauen und gemeinsame Ziele formen und erreichen. Und klappt es nicht, auch nicht nach mehreren Versuchen? Dann scheu dich nicht und hol dir Unterstützung von extern.

Kinder Prophylaxe ist wichtig

Kinder und Eltern, die in Kinderprophylaxeprogrammen mitmachen habe mehr Bewusstsein für deren Mundgesundheit und den Folgen einer schlechten Mundgesundheit.Also wir haben jetzt schon mal festgestellt, dass die Kinderprophylaxeprogramme in der Praxis für die Kinder sehr positiv sind, weil dadurch die Chance auf Karies verringert wird. Das ist schon mal gut. Aber wie sieht das aus für die Praxis? Was für Vorteile hat so ein Kinderprophylaxeprogramm für die Praxis und deren Mitarbeiter?

Infektionskrankheit Karies

Weltweit leiden schätzungsweise 2,4 Milliarden Menschen an Karies der bleibenden Zähne und 486 Millionen Kinder leiden an Karies der Milchzähne.
In eine Studie von Fraihat et al. wird ausführlich besprochen was für Vorteile die Kinderprophylaxe für die Praxis und die Kinder haben kann.

Compliance

Die Compliance (Adhärenz) von Kindern und später den Erwachsenen wird erhöht. Sie verstehen besser, warum die häusliche mechanische Reinigung wichtig ist, aber auch die regelmäßige professionelle mechanische Reinigung in der Praxis. Auch sind diese Patienten besser aufgeklärt, welche Einflüsse Nahrung auf die Mundgesundheit haben kann. Diese Patientengruppe ist generell besser aufgeklärt und dadurch wird auch die Einhaltung von Terminen oder auch bei der Notwendigkeit von ZE, die Wichtigkeit von besseren Materialien deutlich besser verstanden und dadurch eher die aufwendigeren, teureren Arbeiten gewählt.

Verbesserung DMFT/dmft

Wir besprechen hier mal ein paar dieser Vorteile:
Es ist durch Langzeitstudien bewiesen worden, dass der DMFT/dmft sich verbessert, wenn wir mehr Zeit und Aufmerksamkeit für die Kinderprophylaxe investieren

Mundgesundheitsbewusstsein

Ein anderer Faktor ist, dass Erwachsene, die schon früh mit der Prophylaxe in Berührung gekommen sind, ein besseres Mundgesundheitsbewusstsein entwickelt haben und dieses in deren erwachsen Leben noch mitführen.

Chance auf Karies

Die Chance auf Karies und oder Gingivitis im erwachsenen Alter ist geringer bei denjenigen, die eine regelmäßige Kinderprophylaxe erlebt haben als bei Erwachsenen, die keine regelmäßige Kinderprophylaxe in deren Kindheit und Jugend mitgemacht haben.

Nur Vorteile für Kinder?

Kinder und Eltern, die in Kinderprophylaxeprogrammen mitmachen habe mehr Bewusstsein für deren Mundgesundheit und den Folgen einer schlechten Mundgesundheit.Also wir haben jetzt schon mal festgestellt, dass die Kinderprophylaxeprogramme in der Praxis für die Kinder sehr positiv sind, weil dadurch die Chance auf Karies verringert wird. Das ist schon mal gut. Aber wie sieht das aus für die Praxis? Was für Vorteile hat so ein Kinderprophylaxeprogramm für die Praxis und deren Mitarbeiter?

Compliance

Die Compliance (Adhärenz) von Kindern und später den Erwachsenen wird erhöht. Sie verstehen besser, warum die häusliche mechanische Reinigung wichtig ist, aber auch die regelmäßige professionelle mechanische Reinigung in der Praxis. Auch sind diese Patienten besser aufgeklärt, welche Einflüsse Nahrung auf die Mundgesundheit haben kann. Diese Patientengruppe ist generell besser aufgeklärt und dadurch wird auch die Einhaltung von Terminen oder auch bei der Notwendigkeit von ZE, die Wichtigkeit von besseren Materialien deutlich besser verstanden und dadurch eher die aufwendigeren, teureren Arbeiten gewählt.

Finanzielle Aspekt

Ein weiterer Vorteil von einem erfolgreichen Kinderprophylaxeprogramm ist, die direkten Einnahmen für die Praxis. Die IP-Leistungen sind nicht im Budget erhalten und dementsprechend auch nicht gedeckelt. DIe Leistungen IP1-5 müssen natürlich so dokumentiert werden, dass immer nachzuvollziehen ist, was an diesem Termin passiert ist und es auch tatsächlich stattgefunden hat.

IP 1 & 2: Bei der IP1 wird die Mundhygienestatus, der Plaque und Blutungsindex aufgenommen und dokumentiert. Bei der IP2 wird anhand des Ergebnisses von der IP1, der Patient über deren Mundgesundheit aufgeklärt. In dieser Aufklärung sollen innerhalb von 3 Jahren diese 3 Punkte vermittelt werden:
Punkt 1. Karies- und Gingivitisentstehung
Punkt 2. gesunde Ernährung und deren Einfluss auf Zähne und Körper
Punkt 3 ist die Mundhygieneinstruktion

IP 4: Die IP4 Leistung enthält die lokale Fluoridierung mit Lack, Gel o. ä. einschließlich der Beseitigung von weichen Zahnbelägen und der Trockenlegung der Zähne. Denn Fluorid kann nicht durch Plaque arbeiten.
IP 5: Bei der IP5 wird die kariesfreie Fissurenversiegelung angestrebt, natürlich nach der gründlichen Reinigung, zum Beispiel mit Pulverwasserstrahlgeräten oder einer Politur mit entsprechenden Materialien.

All diese Maßnahmen sind, wenn sie korrekt geplant und ausgeführt werden, ein wichtiger Bestandteil zur Mundgesundheit der Kinder und später der Erwachsenen und ganz nebenbei eine gute, sichere und solide Einnahmequelle für die Praxen.

Fraihat N, Madae’en S, Bencze Z, Herczeg A, Varga O. Clinical Effectiveness and Cost- Effectiveness of Oral-Health Promotion in Dental Caries Prevention among Children: Systematic Review and Meta- Analysis. Int J Environ Res Public Health. 2019 Jul 25;16(15):2668. doi: 10.3390/ijerph16152668. PMID: PMCID: PMC6696287

Ab wann ist eine Praxis erfolgreich? Wenn alle glücklich sind? Wenn die Zahlen stimmen? Wenn die Behandlungen gut sind? Oder alles drei? Höre rein in den Expertentalk – der Dentalwelt Podcast mit Miguel, Ester und Rubina.