Als ZFA oder Dentalhygienikerin bringst du jeden Tag Außergewöhnliches: Präzision, Konzentration, Einfühlungsvermögen – Stunde für Stunde, Patient für Patient. Was dabei oft im Hintergrund bleibt: dein Körper. Genauer gesagt ein Gewebesystem, das alle Strukturen verbindet, stabilisiert und bewegt – die Faszien.
In diesem Artikel erfährst du, was Faszien sind, warum zahnmedizinisches Fachpersonal besonders auf sie achten sollte – und zwei einfache Übungen, die du sofort in deinen Alltag einbauen kannst.
Was sind Faszien?
Faszien sind bindegewebige Hüllen und Strukturen, die deinen gesamten Körper durchziehen. Sie umgeben Muskeln, Organe, Nerven und Knochen und bilden ein dreidimensionales Netzwerk, das alles zusammenhält.
Lange wurden sie als passives Stützgewebe betrachtet. Aktuelle Forschung zeigt jedoch: Faszien können sich aktiv zusammenziehen, reagieren auf Stress, Bewegungsmangel und einseitige Belastungen – und spielen eine zentrale Rolle bei Schmerz und Körperwahrnehmung.
Das bedeutet für dich: Verspannungen im Nacken, Schmerzen in den Handgelenken oder ein dauerhaft angespannter Kiefer sind häufig keine isolierten Beschwerden – sie haben oft eine fasziale Ursache.
Warum bist du als Zahnmedizinerin besonders betroffen?
Studien zeigen, dass über 80 % des zahnmedizinischen Personals unter muskuloskelettalen Beschwerden leidet – vor allem im Nacken-Schulter-Bereich und in den Händen. Die Gründe dafür sind typisch für den Praxisalltag:
Anhaltend gebeugte Haltung
Wer täglich über Patienten gebeugt arbeitet, verkürzt auf Dauer die vorderen Faszienketten – während Nacken und Rücken überdehnt werden. Das Ergebnis: Verspannungen und Schweregefühl.
Repetitive Handbewegungen
Instrumentieren, Polieren, Assistieren – immer wieder die gleichen Abläufe belasten Unterarme und Handgelenke einseitig. Das Fasziengewebe reagiert mit Verhärtungen und Triggerpunkten.
Unbewusstes Kieferpressen
Konzentration und Präzisionsarbeit gehen häufig mit angespanntem Kiefer einher – und die Kaumuskulatur ist direkt mit den Nackenfaszien verbunden. Was viele unterschätzen: Ein verspannter Kiefer setzt sich oft bis in die Schultern fort.
Zwei Übungen, die wirklich helfen
Du musst kein aufwendiges Programm starten. Diese zwei Übungen sind einfach, brauchen nur wenige Minuten – und du kannst sie direkt in der Praxis machen.
1. Schultermobilisation
Wirkung: Mobilisiert die Schultergelenke, löst Verspannungen in der Rückenfaszie und ist ein direkter Ausgleich zur Haltearbeit im Praxisalltag.
Steh aufrecht, Füße hüftbreit. Beginne mit kleinen Schulterkreisen rückwärts (10×), dann mit größeren Kreisen (10×). Wiederhole dasselbe vorwärts. Zum Abschluss: Beide Schultern gleichzeitig zu den Ohren ziehen, 3 Sekunden halten – und dann bewusst fallen lassen. Gerne mit einem tiefen Ausatmer dazu.
Dauer: 2–3 Minuten. Wann: Morgens vor der Arbeit oder kurz zwischen zwei Behandlungen – ideal als kleiner Reset.
2. Unterarm- und Handgelenk-Dehnung
Wirkung: Dehnt die Unterarm-Faszien, fördert die Durchblutung und beugt langfristig Beschwerden wie dem Karpaltunnelsyndrom vor.
Strecke einen Arm nach vorne aus, Handfläche nach oben. Greife mit der anderen Hand die Finger und ziehe sie sanft zu dir heran, bis du eine Dehnung an der Unterarm-Innenseite spürst. 30 Sekunden halten. Dann drehe die Handfläche nach unten und wiederhole die Dehnung auf der Außenseite. Seitenwechsel.
Ergänzend: Ein kleiner Ball (z. B. ein Igelball) über die Handflächen gerollt löst fasziale Spannungen und tut nach einem langen Behandlungstag einfach gut.
Dauer: Je 30 Sekunden pro Seite und Position. Wann: Kurz nach jedem Patienten – oder abends auf der Couch mit dem Ball.
Was passiert dabei in deinem Körper?
Faszientraining wirkt auf mehreren Ebenen gleichzeitig:
- Durch Dehnung und Druck werden Mechanorezeptoren aktiviert – das kann die Schmerzwahrnehmung positiv beeinflussen.
- Die Gleitfähigkeit zwischen den Faszienschichten verbessert sich: Eine gelertige Substanz dient als natürliches Gleitmittel und wird durch Bewegung wieder flüssiger.
- Die Durchblutung wird gefördert – das versorgt das Gewebe mit frischer Energie.
- Regelmäßige Übungen verbessern deine Körperwahrnehmung und damit langfristig auch die Qualität deiner Bewegungen.
Wichtig: Diese Übungen dienen der Prävention und dem Wohlbefinden im Alltag. Bei akuten oder anhaltenden Beschwerden sprich bitte mit einer Ärztin oder einem Physiotherapeuten.
Dein Körper ist dein wichtigstes Arbeitsinstrument
Die Arbeit in der Zahnarztpraxis verlangt täglich viel von dir – körperlich und mental. Gerade deshalb lohnt es sich, in die eigene Gesundheit zu investieren: nicht mit großem Aufwand, sondern mit kleinen, konsequenten Gewohnheiten.
Probier einfach eine der beiden Übungen aus – schon morgen früh, bevor der erste Patient kommt. Dein Körper wird es dir danken.
Weiterführende Literatur
Schleip, R. et al. (2012). Fascia: The Tensional Network of the Human Body. Elsevier.
Myers, T. W. (2020). Anatomy Trains (4th ed.). Elsevier.
Valuch-Lynch, D. M. et al. (2016). Work-related musculoskeletal disorders among dental hygienists. Journal of Dental Hygiene, 90(6).
Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich informativen Zwecken und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder akuten Beschwerden konsultiere bitte eine Ärztin oder einen Arzt.
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Hast du gewusst, dass das, was du isst, direkt Einfluss auf dein Zahnfleisch hat? Klingt erstmal ungewohnt – aber die Wissenschaft ist da ziemlich eindeutig. In diesem Artikel erklären wir dir, was Parodontitis wirklich ist, warum Entzündungen im Mund so oft mit unserer Ernährung zusammenhängen, und was du ganz konkret auf dem Teller tun kannst.
Was ist Parodontitis – und warum ist sie so ein großes Thema?
Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnhalteapparats – also des Gewebes, das deine Zähne im Kiefer hält. In Deutschland ist sie weit verbreitet: Rund 50 Prozent der Erwachsenen sind betroffen – und dass, obwohl 95 Prozent der Menschen regelmäßig Zähne putzen. Das zeigt: Zähneputzen allein reicht nicht aus. Es muss etwas geben, das tiefer ansetzt.
Parodontitis entsteht durch Bakterien im Zahnbelag. Aber ob und wie stark sich eine Entzündung entwickelt, hängt von weit mehr ab als nur davon, wie gut du putzt. Ernährung hat sowohl einen lokalen Einfluss auf das orale Mikrobiom als auch systemisch über gesamtkörperliche Wege – und genau das macht sie zu einem so wichtigen Faktor.
Die Forschung dahinter: Was sagt die Wissenschaft?
Einer der führenden Köpfe auf diesem Gebiet ist Prof. Dr. Johan Wölber, Professor für Parodontologie am Universitätsklinikum Dresden. Er hat sich intensiv damit beschäftigt, wie Ernährung Zahnfleischerkrankungen beeinflusst – und kommt zu einer überraschenden Erkenntnis: Die Entfernung von Zahnbelag durch Zähneputzen bekämpft nicht die eigentliche Ursache von Parodontitis. Diese liegt tiefer – nämlich in unserer Ernährung.
In seinem Buch Die Ernährungs-Zahnbürste (gemeinsam mit Prof. Dr. Christian Tennert) beschreibt Wölber, wie Zucker, entzündungsfördernde Fette und tierische Proteine den gesamten Organismus aus dem Gleichgewicht bringen – und damit auch das Zahnfleisch angreifen. Sein zweites Buch, das Kochbuch Al Dente – Das Kochbuch der Ernährungszahnmedizin (2025), zeigt ganz praktisch, wie eine zahngesunde Ernährung im Alltag aussehen kann – mit alltagstauglichen Rezepten, die Lust auf Veränderung machen.
In einer Pilotstudie konnte sein Team an der Uniklinik Freiburg zeigen: Probanden, die sich vier Wochen nach einer antientzündlichen Ernährungsempfehlung ernährten, reduzierten ihre parodontale Entzündung um etwa 50 Prozent – obwohl sich die Plaquewerte nicht signifikant veränderten. (Woelber et al., 2016)
Mit anderen Worten: Weniger Entzündung, obwohl nicht mehr geputzt wurde. Das ist ein starkes Signal. Eine weitere Analyse von fast 7.000 Patienten ergab zudem, dass Menschen mit einer antientzündlichen Ernährung im Schnitt fast einen Zahn weniger verloren, hatten als Patienten mit einer eher entzündungsfördernden Ernährung. (Kotsakis et al., 2017)
Was entzündet – und was schützt?
Das macht Probleme:
Zucker und verarbeitete Kohlenhydrate – also Weißbrot, Softdrinks, Süßigkeiten und Fertigprodukte – fördern Entzündungen im ganzen Körper. Prof. Wölber betont, dass Zucker ein geteilter Risikofaktor ist: Er begünstigt nicht nur Parodontitis, sondern auch Karies, Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch Omega-6-reiche Fette aus stark verarbeitetem Fleisch oder Pflanzenölen wie Sonnenblumenöl können entzündungsfördernd wirken.
Das hilft deinem Zahnfleisch:
Eine überwiegend pflanzliche, niederglykämische Ernährung, reich an Mikronährstoffen, Ballaststoffen, Antioxidantien und Omega-3-Fettsäuren, wirkt nachweislich entzündungshemmend. Konkret heißt das:
- Omega-3-Fettsäuren aus fettem Fisch (Lachs, Hering, Makrele), Leinsamen oder Walnuss – sie helfen dem Körper, Entzündungen aktiv aufzulösen.
- Vitamin C aus frischem Obst und Gemüse – wichtig für das Bindegewebe und als Antioxidans. Studien zeigen: Vitamin C im natürlichen Wirkverbund (aus echten Lebensmitteln, nicht aus Ergänzungsmitteln) senkt parodontale Entzündungen.
- Vitamin D – es wirkt immunmodulierend, und ein Mangel gilt als Risikofaktor für Parodontitis.
- Ballaststoffe aus Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkorn und Nüssen – sie ernähren eine gesunde Darmflora und wirken systemisch antientzündlich.
- Polyphenole und sekundäre Pflanzenstoffe – zum Beispiel aus Beeren, grünem Tee oder buntem Gemüse.
Was kannst du heute schon ändern?
Du musst nicht von heute auf morgen alles umstellen. Kleine, konsequente Schritte machen den Unterschied:
- Ersetze Weißbrot und Weißen Reis durch Vollkornvarianten.
- Iss zwei- bis dreimal pro Woche fetten Fisch.
- Greif öfter zu frischem Gemüse und saisonalem Obst.
- Reduziere Softdrinks und Süßigkeiten – Zucker wie ein Gewürz verwenden, nicht wie eine Zutat.
- Ergänze Vitamin D, wenn du selten in der Sonne bist (Rücksprache mit der Zahnarztpraxis oder der Arztpraxis empfehlenswert).
Fazit: Dein Teller ist Teil deiner Mundhygiene
Mundhygiene endet nicht mit dem Zähneputzen. Was du isst, beeinflusst direkt, wie dein Immunsystem auf Bakterien im Mund reagiert. Evidenzbasierte Ernährungsinterventionen können sowohl präventiv als auch therapeutisch begleitend im Rahmen einer parodontalen Therapie eingesetzt werden – das zeigt die aktuelle Forschung klar.
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Warum kriegen wir manche Patienten in der Prophylaxe und PAR einfach nicht in den Griff – obwohl die Mundhygiene stimmt und die Behandlung gut war?
Die Antwort könnte in etwas liegen, das die meisten gar nicht auf dem Schirm haben: Vitamin D.
In diesem kompakten Seminar der TRI:MED Akademie lernst du, wie Ernährung – und besonders Vitamin D3 – direkte Auswirkungen auf den Behandlungserfolg deiner Patienten hat. Von der Grundlage bis zur praktischen Anwendung in der Praxis.
Du erfährst:
- Warum Vitamin D eigentlich ein Hormon ist – und warum das wichtig ist
- Warum für die Zahnmedizin ganz andere Werte gelten als in der Humanmedizin
- Wie du den Vitamin-D-Status deiner Patienten einfach testen kannst – direkt in der Praxis
- Wie du individuell und kompetent beraten kannst – mit Anamnese, Ernährungsprotokoll und Follow-up
🧡 Altersvorsorge 2026
Eine Geschichte eines Vaters (1976) und seiner Tochter (ZFA, 2001)
Klingt komisch? Ist aber so.
Heute schauen wir uns Altersvorsorge nicht mit Fachbegriffen an.
Sondern mit einer kleinen Geschichte.
Es geht um zwei Menschen:
👉 Thomas, geboren 1976, seit über 25 Jahren im Berufsleben
👉 Lisa, geboren 2001, seine Tochter – sie arbeitet in einer Zahnarztpraxis als ZFA
Beide sind berufstätig.
Beide zahlen in die gesetzliche Rentenversicherung ein.
Und beide verlassen sich ein bisschen darauf, dass „später schon irgendwas rauskommt“.
Aber genau hier beginnt das Maus-Problem 🐭

🔵 Teil 1 – Der Vater: „Ich hab doch alles richtig gemacht“
Als Thomas angefangen hat zu arbeiten, war die Welt noch relativ einfach.
Er kannte einen Satz, den damals fast jeder gehört hat:
„Wenn du lange genug arbeitest, bekommst du später eine ordentliche Rente.“
Warum das funktioniert hat?
Weil unser Rentensystem ein Umlageprinzip ist:
Die Menschen, die heute arbeiten, bezahlen direkt die Renten der heutigen Rentner.
Oder in Maus-Sprache:
Die arbeitenden Mäuse bringen den Käse, die älteren Mäuse essen ihn 🧀
Und damals gab es davon viele.
🟠 Teil 2 – Die demografische Mausfalle
Früher:
– Viele junge Arbeitnehmer
– Wenige Rentner
Heute (2026):
– Immer mehr Rentner
– Immer weniger Beitragszahler
– Menschen leben deutlich länger
Früher haben ungefähr 4 Arbeitnehmer einen Rentner finanziert.
Heute sind es etwa 2.
Und es werden noch weniger.
Die Maus würde sagen:
Der gleiche Käse muss plötzlich für viel mehr Mäuse reichen.
Für Thomas bedeutet das:
Seine gesetzliche Rente wird nicht reichen, um seinen heutigen Lebensstandard zu halten.
Nicht, weil er etwas falsch gemacht hat.
Sondern weil sich die Bevölkerung verändert hat.
🟢 Teil 3 – Die Tochter: ZFA in der Zahnarztpraxis
Jetzt kommt Lisa ins Spiel.
Lisa ist Zahnmedizinische Fachangestellte.
Sie arbeitet viel, steht den ganzen Tag, organisiert, assistiert, kümmert sich um Patienten – und am Monatsende bleibt kein riesiges Gehalt übrig.
Sie zahlt ebenfalls in die Rentenversicherung ein.
Aber bei ihr ist die Ausgangslage eine völlig andere.
Denn:
– Ihr Einstiegsgehalt ist deutlich niedriger als das ihres Vaters damals
– Sie wird länger leben
– Sie wird mehr Rentner mitfinanzieren
Oder wieder in Maus-Sprache:
Lisa bringt später Käse in das System — bekommt aber selbst wahrscheinlich nur ein kleines Stück zurück.
Für sie ist die gesetzliche Rente keine Vollversorgung mehr.
Sie ist nur noch eine Basis.
🔴 Teil 4 – Gleiche Rente, völlig unterschiedliche Aufgaben
Jetzt wird es spannend.
Beide zahlen in dasselbe System ein.
Aber sie haben komplett unterschiedliche Probleme:
| Thomas (1976) | Lisa – ZFA (2001) |
| Weniger Zeit bis Rente | Sehr viel Zeit |
| Höheres Einkommen | Niedrigeres Einkommen |
| Muss Lücke schließen | Muss Vermögen aufbauen |
| System hat sich verändert | System war nie stabil für sie |
Thomas braucht Struktur.
Lisa braucht Zeit und einen Plan.
Und genau hier passiert der häufigste Fehler:
Viele behandeln Altersvorsorge wie ein Produkt.
Die Maus würde sagen:
Man kann nicht jede Maus mit demselben Käse satt machen 🐭
🟣 Teil 5 – Was Altersvorsorge 2026 wirklich bedeutet
Altersvorsorge ist heute kein Vertrag mehr.
Sie ist eine Kombination aus Bausteinen:
– Gesetzliche Rente (Basis)
– Betriebliche Möglichkeiten
– Private Vorsorge
– Kapitalmarkt (z. B. Fonds/ETF)
– Flexibilität
Der wichtigste Faktor ist dabei nicht die Rendite.
Es ist Zeit.
Lisa hat davon viel.
Thomas hat davon wenig.
Deshalb kann Lisa mit kleinen Beträgen langfristig mehr erreichen als Thomas mit großen Einzahlungen kurz vor der Rente.
Klingt komisch? Ist aber so.
🟡 Das Fazit
Thomas muss heute aktiv werden, damit sein Ruhestand planbar bleibt.
Lisa muss früh anfangen, damit sie später überhaupt Wahlmöglichkeiten hat.
Beide brauchen nicht mehr Informationen.
Sie brauchen Verständnis für das System.
Denn:
Die gesetzliche Rente ist heute nicht mehr der ganze Käse.
Sie ist nur noch die Käserinde.
Und der Rest entsteht durch Entscheidungen, die man früh genug trifft.
Markus Lipinski
Finanzberater
selbstständiger Handelsvertreter für Swiss Life Select
Spezialist für Investment/AIF
Grubenlicht 1
59075 Hamm
Telefax: 0511-90 20-6 93 48
Mobil: 0172-2 83 28 11
markus.lipinski@swisslife-select.de
www.swisslife-select.de

Seit Jahren wird in der implantologischen Gemeinschaft kontrovers diskutiert, ob und wie der Vitamin-D-Status des Patienten die Prognose dentaler Implantate und augmentativer Maßnahmen beeinflusst. Viele Praxen haben den Vitamin-D-Spiegel bereits routinemäßig in ihr präoperatives Screening integriert. Nun liegt erstmals eine evidenzbasierte, deutschsprachige S3-Leitlinie vor – entwickelt unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) und der DGZMK in Zusammenarbeit mit 23 Fachgesellschaften, Organisationen und Patientenvertretungen. Die Kernbotschaft: Differenzierung statt Routine.
Hintergrund: Die neue S3-Leitlinie im Überblick
Die Leitlinie tägt den Titel ‚Relevanz der Vitamin-D-Bestimmung und -Supplementierung auf die Implantatprognose und Augmentationschirurgie‘ (AWMF-Registriernummer: 083-055, Version 1.0, Stand: August 2025, gültig bis August 2030). Sie beantwortet systematisch folgende Kernfragen:
- Erhöht ein Vitamin-D-Mangel die Komplikationsrate bei Implantatversorgungen?
- Beeinflusst der Vitamin-D-Spiegel Osseointegration, Implantatstabilität und Augmentationsergebnisse?
- Hat eine gezielte Supplementierung Einfluss auf den Kieferknochenstoffwechsel?
Die systematische Auswertung aktueller Studien liefert ein differenziertes, jedoch insgesamt heterogenes Bild. Die Evidenz wird als niedrig bis moderat eingestuft – was unmittelbar Konsequenzen für die Handlungsempfehlungen hat.

Warum Vitamin D für die Implantologie relevant ist
Vitamin D (Cholecalciferol, D₃) spielt eine zentrale Rolle im Calcium- und Phosphatstoffwechsel und damit direkt im Knochenstoffwechsel. Niedrige Vitamin-D-Spiegel können mit folgenden klinischen Risiken assoziiert sein:
- Verzögerter Knochenaufbau und eingeschränkte Osseointegration: Vitamin D ist essenziell für die Mineralisation neu gebildeter Knochenmatrix. Ein Mangel kann die Einheilungsphase verlängern und die primäre Implantatstabilität gefährden.
- Erhöhte Anfälligkeit für periimplantäre Infektionen: Vitamin D moduliert immunologische Prozesse. Ein Defizit kann die lokale Immunabwehr schwächen und das Risiko einer Periimplantitis erhöhen.
- Beeinträchtigte Augmentationsergebnisse: Hinweise aus der Literatur deuten auf einen positiven Effekt normwertiger Vitamin-D-Spiegel auf den periimplantären Knochenabbau und die Stabilität augmentativer Maßnahmen hin.
Die epidemiologische Ausgangslage ist dabei keineswegs zu unterschätzen: Rund 30 % der erwachsenen Bevölkerung weisen einen Vitamin-D-Mangel auf – in den Wintermonaten können es bis zu 50 % der Patientinnen und Patienten sein. Die Prävalenz in der implantologischen Praxis ist damit klinisch höchst relevant.
Die zentrale Leitlinienempfehlung: Individualisierung statt Pauschalierung
Trotz der pathophysiologischen Plausibilität kommt die Leitlinie zu einem klaren Schluss: Ein generelles Screening oder eine pauschale Supplementierung vor Implantationen, Augmentationen oder im Rahmen der Periimplantitistherapie ist durch die aktuelle Studienlage nicht gerechtfertigt. Dies begründet sich in der Heterogenität der vorliegenden Evidenz sowie der Tatsache, dass die Daten gesunder Patienten ohne klinisch relevanten Vitamin-D-Mangel den möglichen Effekt in einem Subkollektiv statistisch überlagern.
Stattdessen empfiehlt die Leitlinie ein individualisiertes, risikobasiertes Vorgehen – mit klaren Indikationen:
Indikationen für eine gezielte Vitamin-D-Bestimmung:
- Anamnestisch vermuteter oder bereits bekannter Vitamin-D-Mangel
- Nieren- oder Leberfunktionsstörungen (Einfluss auf Vitamin-D-Metabolismus)
- Hochbetagte Patienten (> 80 Jahre)
- Unklare Implantat-Frühverluste in der Vorgeschichte
- Wiederkehrende periimplantäre Infektionen ohne andere Erklärung
- Auffällige Wundheilungsverläufe in der Behandlungshistorie
Testmethoden:
Die Leitlinie benennt sowohl qualitätskontrollierte In-office-Finger-prick-Schnelltests als auch konventionelle Labortests als geeignete Methoden zur Vitamin-D-Bestimmung (25-OH-Vitamin-D). Eine routinemäßige Diagnostik von Vitamin-D-Rezeptorpolymorphismen wird hingegen ausdrücklich nicht empfohlen.
Supplementierung bei bestätigtem Mangel:
Liegt ein gesicherter Mangel vor, kann eine präoperative Supplementierung erwogen werden. Ziel ist die Reduktion postoperativer Entzündungsreaktionen und Schwellungen sowie die Unterstützung des Kieferknochenstoffwechsels. Dabei gilt: Supplementierung setzt ein Monitoring voraus. Folgemessungen sind erforderlich, um den Verlauf des Spiegels unter Therapie zu kontrollieren – denn auch die Kehrseite ist leitlinienrelevant.

Achtung: Das Risiko der Hypervitaminose
Die Leitlinie widmet dem Thema Überdosierung besondere Aufmerksamkeit – und das aus gutem Grund. Drei Punkte sind hier klinisch entscheidend:
- Intoxikationsrisiko bei Überdosierung: Eine Hypervitaminose D kann schwerwiegende Nebenwirkungen verursachen (Hyperkalzämie, Nierenschäden). Dies ist keine akademische Randerscheinung, sondern eine reale klinische Gefahr bei unkontrollierter Supplementierung.
- Negativer Einfluss auf die Implantatprognose: Eine Studie aus dem Jahr 2024 liefert Hinweise auf einen negativen Einfluss einer Hypervitaminose auf die Implantatprognose. Zu viel ist also ebenso problematisch wie zu wenig.
- Monitoring als Pflicht: Eine Supplementierungsempfehlung ohne begleitende Spiegelkontrolle ist nicht leitlinienkonform. Folgemessungen sind zwingend.
Empfehlungen für Ihre Patienten: So führen Sie das Gespräch
Die Leitlinie stellt klar, dass Zahnärztinnen und Zahnärzte die vorhandene Evidenz im Rahmen einer individuellen Risiko-Nutzen-Abwägung in das Beratungsgespräch einbeziehen sollen. Für die Patientenkommunikation empfehlen sich folgende Punkte:
- Anamnesebogen aktualisieren: Fragen Sie aktiv nach einem bekannten Vitamin-D-Mangel, laufender Supplementierung sowie Nieren- und Lebererkrankungen.
- Risikogruppen identifizieren: Hochbetagte Patienten, Menschen mit Systemerkrankungen oder auffälliger Vorgeschichte sind gezielt anzusprechen.
- Transparenz schaffen: Erklären Sie, dass ein generelles Screening nach aktueller Leitlinie nicht indiziert ist – und begründen Sie dies mit der Datenlage. Das schafft Vertrauen.
- Keine unkontrollierte Eigentherapie: Patienten, die eigenständig hochdosierte Vitamin-D-Präparate einnehmen, sollten über das Hypervitaminose-Risiko und die Notwendigkeit einer ärztlichen Begleitung aufgeklärt werden.
- Interdisziplinäre Abstimmung: Bei gesichertem Mangel empfiehlt sich die Abstimmung mit dem behandelnden Hausarzt oder Endokrinologen bezüglich Supplementierungsdosis und Monitoring.
Ausblick: Forschungsbedarf und Weiterentwicklung der Leitlinie
Die Autorinnen und Autoren betonen ausdrücklich den Bedarf an weiteren hochwertigen Studien. Zukünftige Forschung sollte insbesondere untersuchen: den Einfluss der Dauer eines bestehenden Vitamin-D-Mangels, die klinische Bedeutung starker Schwankungen des Vitamin-D-Spiegels sowie mögliche Auswirkungen einer Überdosierung auf den Kieferknochenstoffwechsel. Die Leitlinie ist bis August 2030 gültig – eine Aktualisierung auf Basis neuer Evidenz ist damit perspektivisch zu erwarten.

Fazit: Leitlinienkonform handeln – individuell denken
Die neue S3-Leitlinie schafft Klarheit in einer lange uneinheitlich gehandhabten Frage. Für die implantologische Praxis bedeutet das: Weg vom Reflexscreening, hin zu einer gezielten, anamnesegestützten Risikoeinschätzung. Vitamin D ist klinisch relevant – aber nur bei den Patientinnen und Patienten, bei denen es relevant ist. Wer das Prinzip der individualisierten Medizin konsequent anwendet, handelt nicht nur leitlinienkonform, sondern auch im besten Interesse seiner Patientinnen und Patienten.

Autorin: Ester Hoekstra, M.Sc., M.Sc.
Quelle
DGI, DGZMK: Relevanz der Vitamin D-Bestimmung und -Supplementierung auf die Implantatprognose und Augmentationschirurgie. Langfassung, Version 1.0, 2025. AWMF-Registriernummer: 083-055. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/083-055
Blogartikel Leitlinie Vitamin D und Implantate
VitaminD Implantate Blogartikel
Infografik Leitlinie Vitamin D und Implantate
Vitamin D und Zahnimplantate
Im Gegensatz zu einer Karies, die den Zahnschmelz und das Dentin im Kronenbereich betrifft, greift die Wurzelkaries vor allem die tieferen Bereiche des Zahnes an und entsteht apikal an der Schmelz-Dentin-Grenze und am Wurzelzement. Die Wurzelkaries ist auch als Alterskaries oder Zahnhalskaries bekannt. Eine Wurzelkaries breitet sich eher oberflächlich und nicht so tief in Richtung Pulpa aus (Zahnmark) als die koronale Karies, was durch die Pufferwirkung des Sulcusfluids erklärt werden kann. Sie ist häufiger an vestibulären als an lingualen Wurzeloberfläche lokalisiert und insbesondere bei älteren Patienten an Approximalflächen zu finden.
Wie entsteht Wurzelkaries?
Wurzelkaries kann entstehen durch Attachmentverlust, zum Beispiel nach einer Parodontitis-Behandlung, Trauma, KFO-Behandlung oder altersbedingt. Die freiliegenden Wurzeloberflächen sind für den Biofilm und somit für Bakterien leicht zugänglich. Gerade diese Areale sind für die Patienten oft schwer zu pflegen. Die Oberfläche der Wurzel ist mit eine Schicht Wurzelzement bedeckt, die durch verschiedene Verfahren wie das Putzen, Entfernen von Zahnstein, Polieren oder Kürettieren entfernt worden sein. Aber auch wenn das Wurzelzement noch intakt ist, ist es leicht angreifbar für Bakterien, da das darunter liegende Wurzeldentin aus 30% organischen Materialien, hauptsächlich Kollagen, bestehen. Das leicht anzugreifenden freiliegende Kollagen ist ein einfacher Anhaftungspunkt für Bakterien. Oft werden bei früheren Läsionen Laktobazillen oder Bifidobakterien angetroffen, die im koronalen Bereich erst bei fortgeschrittenen Dentinkavitäten häufig sind. Es ist außerdem bekannt, dass Dentin gegenüber einer Demineralisation empfindlicher ist als Zahnschmelz. Das gilt auch für die Zementschicht.
Gefährdete Patientengruppen
Die Wurzelkaries befällt vorwiegend Menschen im höheren Lebensalter und Pflegebedürftige und davon gibt es immer mehr. Früher war es so, wenn Zähne bis ins hohe Alter erhalten wurden, schlug spätestens die Parodontitis zu, mit dem Ergebnis des Zahnverlustes. Wurzelkaries hatte bei den wenigsten Menschen bislang Gelegenheit sich zu der zweiten Form der Karies zu entwickeln. Da die Prävention immer wichtiger geworden ist, und damit auch bis ins höhere Alter die eigenen Zähne behalten werden können, hat Wurzelkaries mehr Gelegenheit sich zu entwickeln. Wir sehen vor allen bei den älteren Patienten die Änderung der motorischen Fähigkeiten, aber auch das Ernährungsverhalten und die Mundpflege kann sich im Laufe der Jahre verändern und dadurch das Kariesrisiko modifizieren. Bei der Nahrung kann die Kaufunktion eingeschränkt sein, wodurch immer mehr zu kariogenen statt frischen Lebensmitteln, wie Gemüse und Obst, gegriffen wird. Zudem hat das Pflegepersonal oft zu wenig Zeit bei deren Patienten die Mundpflege adäquat durchzuführen oder zu wenig Kenntnis wie eine optimale Mundhygiene aussieht in verschiedene Situationen, wie Implantate und ZE. Durch Erkrankungen und Medikamente (Polypharmazie) kann auch eine Reduktion der Speichelbildung entstehen, wodurch die Oral Clearance weniger wird. Der Speichel unterstützt die Oral Clearance von Nahrungsbestandteile aus der Mundhöhle, hat Pufferfunktion und ist durch die Übersättigung mit Kalzium und Phosphat kariesprotektiv. Bei Xerostomie fehlt diese Funktion.
Diagnose der Wurzelkaries
Die Diagnose von aktiver Wurzelkaries ist abhängig von der Beurteilung von Farbe, Struktur, Aussehen, Kavitation und der Nähe zur Gingiva. Klinischen Inspektion und taktilen Untersuchung reichen in den meisten Fälle aus. Röntgenologie kann vor allem im approximalen Bereich ein zusätzliches Tool sein. Aktive, voranschreitende Läsionen weisen eine bei Sondierung erweichte, lederartige Oberfläche auf. Inaktive Läsionen haben eine harte, oft sehr dunkel verfärbte Oberfläche. Eine in vivo durchgeführte Studie zeigt vielversprechende Resultate im Hinblick auf korrekte Messungen von Effekten von Remineralisationsinterventionen auf individuelle Läsionen. In-vitro-Studien haben gezeigt, dass eine mineralisierte Oberflächenzone die Kinetik der Wasserverdunstung und die Oberflächentemperatur beim Trocknen beeinflusst. Temperaturveränderungen können durch Messung der Wärmeabstrahlung mit Hilfe der Wärmebildtechnik überwacht werden. Allerdings gibt es dieses Verfahren noch nicht auf dem Markt (Yang V, Zhu Y, Curtis D et al. 2020).
Wurzelkaries behandeln
Die Behandlung von Wurzelkaries erfordert das Überwinden vieler Herausforderungen. Die Trockenlegung ist erschwert, weil die Wurzelkaries oft in der Nähe der Gingiva auftritt, damit können feuchtigkeitsempfindliche Materialien wie Komposite nur bedingt eingesetzt werden. Außerdem können älteren, pflegebedürftigen Patienten eventuell nicht auf dem Zahnarztstuhl in der Praxis, sondern müssen im Pflegeheim behandelt werden, wodurch es erschwert wird, die Umstände zu kreieren, die für eine adäquate Füllungstherapie notwendig sind. Bei nicht kavitierten Wurzelkariesläsionen sollte eine Arretierung mit zum Beispiel einer Zahnpasta mit 5.000 ppm eingesetzt werden. Bei der Präparation sollten die überhängenden Schmelzränder entfernt werden, um die Zugänglichkeit für die häusliche Mundhygiene zu verbessern. Ob eine Füllungstherapie sinnvoll ist oder nicht, hängt unter anderem von der Möglichkeit der häuslichen Plaqueentfernung und Fluoridzufuhr ab. Bei viele Hochrisikopatienten werden diese allerdings nicht verlässlich gewährleistet sein. Wenn die Kavität approximal (also schwer zugänglich) auftritt oder ein erhöhtes Kariesrisiko durch eingeschränkte häusliche Mundhygiene vorliegt, kann für die Füllungstherapie entschieden werden, Restaurationsmaterialien wie Komposite oder Glasionomerzemente zu verwenden.
Gefahren bei nicht rechtzeitiger Behandlung
Bei nicht rechtzeitiger Behandlung kann es zu einer Pulpitis kommen, welche von Schmerzen begleitet werden kann. Studien zeigen, dass sich im Dentin der Wurzel weniger Dentinkanälchen befinden als im Dentin der Krone. Es befindet sich bereits in einem reiferen Stadium, wodurch die Pulpa sich im Laufe des Alters zurückzieht und dementsprechend die gleichen Defekte im jüngeren Alter und im Dentin der Krone schmerzhafter wären. Der Wurzelkaries kann außerdem zum Zahnbruch führen, da der Wurzelkaries sich nicht nur nach apikal ausbreitet, sondern auch perikoronal. Es könnte in den schlimmsten Fällen zu Zahnverlust führen.
Präventionsmöglichkeiten
Eine Reihe von Maßnahmen können dazu beitragen, die Bildung von Wurzelkariesläsionen zu reduzieren oder ganz zu verhindern. Als Erstes gilt es, die Risikofaktoren individuell zu identifizieren und entsprechend zu beeinflussen. Defizite der Mundhygiene können in der Prophylaxe einfach festgestellt werden durch die Aufnahme eines Plaque- und Blutungs-Indexes. Anhand dieser Ergebnisse können gezielte individuelle Mundhygiene-Instruktionen gegeben werden mit gegebenenfalls angepassten Hilfsmitteln, wie zum Beispiel einem Tennisball um den Griff der Zahnbürste. Zudem kann zusätzliche Fluoridierung mit zum Beispiel Lacken oder das tägliche Putzen mit einer 5000 ppm Zahnpasta als Kur auch eine Maßnahme sein, von der diese Patientengruppe profitieren kann. Mit einer Ernährungsanamnese kann evaluiert werden, ob regelmäßig Nahrung aufgenommen wird, die zur Kariesentstehung beiträgt. Menge und Frequenz der Zufuhr von niedermolekularen Kohlenhydraten sind mitunter auch verantwortlich für die Wurzelkaries. Bei der Inspektion sollten Patienten auch auf verminderten Speichelfluss gescreent werden. Eventuelle Abklärung einer noch nicht diagnostizierten Allgemeinerkrankung oder eventuelle Anpassung der Medikamente können diese Patienten ebenfalls helfen. Auch zwischendurch zuckerfreie, Kaugummis oder Lutschbonbons zu kauen beziehungsweise zu lutschen kann Abhilfe schaffen.
Bezvershenko Quellen: Schwendicke F, Göstemeyer G, Die zweite Form der Karies: Wurzelkaries, https://www.pnc-aktuell.de/prophylaxe/story/die-zweite-form-der-karies-wurzelkaries__8317 Mantourani M, Fenlon M, Beighton D, Association between Bifisobacteriacease and the clinical severitiy of root caries lesions. Oral Microbiol Immunol, 2009;24(1):32-7 Baginska J, Stokowska W. Pulpal involvement-roots-sepsis index: a new method for describing the clinical consequences of untreated dental caries. Med Princ Pract. 2013;22(6):555-60. doi: 10.1159/000354193. Epub 2013 Aug 13. PMID: 23949116; PMCID: PMC5586805 Yang V, Zhu Y, Curtis D et al., Thermal Imaging of Root Caries in Vivo, J Dent Resn2020; DOI:10.1177/0022034520951157 Scholz J, Buchalla W. Wurzelkaries kennen, erkennen, erfolgreich therapieren, ZWR Das Deutsche Zahnärzteblatt 2019; 128:502-509 Georg Thieme Verlag KG Stuttgart. doi:10.1055/a-1011-7974
Der folgende Beitrag führt durch die komplexen Wege der Ausbildung zur Dentalhygieniker/-in. Er beleuchtet die verschiedenen Ausbildungspfade von traditionellen Fortbildungen bis hin zu Bachelorstudiengängen und bietet einen detaillierten Einblick in die Möglichkeiten, diesen Beruf zu ergreifen und weiterzuentwickeln.
Laut der Broschüre der Bundeszahnärztekammer und der kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung 2024 leiden unter den jüngeren Senioren (65- bis 74-jährigen) 19,8 Prozent an einer schweren Parodontitis. Im Jahr 2005 waren das noch 44,1 Prozent. In der gleichen Altersgruppe haben 44,8 Prozent der Personen an einer moderaten Parodontitis gelitten, wobei das 2005 noch 47,9 Prozent waren. Unter den jüngeren Erwachsenen (35- bis 44-jährige) sind die Zahlen wie folgt: schwere Parodontitis 8,2 Prozent (in 2005 17,4 Prozent) und moderate Parodontitis 43,4 Prozent (in 2005 53,6 Prozent). Wie an den Zahlen zu erkennen ist, sind die Fälle rückläufig. Unserer Meinung nach, und da sind wir nicht allein, liegt das an den vielen weitergebildeten Zahnmedizinischen Fachangestellten, auch bekannt unter den Bezeichnungen Zahnmedizinische/-r Prophylaxeassistent/-in (ZMP) und Dentalhygieniker/-in (DH). Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Berufsbezeichnung DH zu erwerben. Die Frage, welche Art von Aus- und Weiterbildung zur DH sinnvoll ist, lässt sich nicht so einfach beantworten. Definieren wir allerdings erst mal, was eine DH ist. Laut Wikipedia, wo viele gerne ihre Information einholen, ist eine DH: „Ein Zahnmedizinischer Fachangestellter, der eine Aufstiegsfortbildung im Fachbereich Prophylaxe absolviert hat. Schwerpunkt ist der Bereich der Parodontologie. Das Aufgabengebiet ist die begleitende Therapie von Zahnbett- und Zahnfleischerkrankungen. Dabei informiert der Dentalhygieniker über Zahn- und Mundgesundheit. Des Weiteren liegt ein Aufgabenbereich eines Dentalhygienikers in der Erhaltungstherapie und Nachsorge parodontaler und periimplantärer Erkrankungen.“ Die Bundeszahnärztekammer sieht das genauso. Es ist also keine reine Ausbildung, sondern eine Weiterbildung oder Aufstiegsfortbildung, nachdem die Ausbildung zur ZFA erfolgreich absolviert ist. Also erst drei Jahre Ausbildung zur ZFA, danach noch weiterlernen. Nach der Ausbildung zur ZFA gibt es verschiedene Mögichkeiten zum Ziel DH.
Geburt der DH
In das Jahr 1906 hat der Zahnarzt Alfred Fones sein Stuhlassistentin und Nichte Irene M. Newman trainiert, Zähne zu reinigen und andere präventive Maßnahmen bei Kindern durchzuführen. So wurde sie die weltweit erste Dentalhygienikerin. Im Jahr 2013 begründete Alfred Fones eine eigene Dentalhygieneschule in Conneticut. Die erste amerikanische Dental Hygienists Association wurde 1923 gegründet. Seitdem ist aus dem Dental Hygienist ein stetig wachsender Beruf geworden mit der Möglichkeit des Bachelorstudiums und anschließendem Masterstudium in Dentalhygiene. In manchen Staaten darf der DH Anästhesie geben, in anderen wiederum nicht. In Kanada ist seit 1950 der Beruf der DH ein Begriff, seit 1974 in Neuseeland, seit 1975 in Australien. In unserem Nachbarland Niederlande gibt es die DH seit 1967, zunächst als Weiterbildung wie in Deutschland und seit 1997 als dreijähriges Bachelorstudium. Damit ist die DH ein eigenständiger Beruf, also ohne die Ausbildung zur ZFA. Seit 2004 ist es ein vierjähriges Bachelorstudium (210 ECTS = ca. 7.350 Stunden), damit es den internationalen Anforderungen besser entspricht. Die DHs der Niederlande dürfen seit 1997 auch sogenannt funktionell selbstständig Anästhesie mittels Injektion geben. Es muss im Auftrag vom Zahnarzt sein, aber nicht unter Aufsicht. Was bedeutet, dass der Zahnarzt auch am anderen Ende der Welt sein darf, aber vorher (schriftlich) den Auftrag gegeben haben muss. Die gleichen Aufgaben, die eine Deutsche DH hat (Prävention und Behandlung von Parodontopathien), darf eine niederländische DH selbstständig durchführen, also ohne Aufsicht eines Zahnarztes, sogar in einer eigenen Praxis ohne Überweisung von einem Zahnarzt. Im Jahr 1973 eröffnete in Zürich die erste Dentalhygieneschule, wobei 20 Schülerinnen nach zwei Jahren 1975 ihren Abschluss erhielten. Eine Basis für die Entwicklung eines Tätigkeitsfeldes oder einer Definition von Ausbildungscurricula für DHs als eine Berufsgruppe wurde in Deutschland erstmals im Jahr 1993 im Gesundheitsstrukturgesetz erwähnt. Im Jahr 1994 richtete die Bundeszahnärztekammer einen ersten Pilotfortbildungsgang für DHs ein, wobei die Zahnärztekammern in Hamburg und Westfalen-Lippe in Münster schnell folgten. Erst im Jahr 1999 ist durch die Bundeszahnärztekammer eine Musterfortbildungsordnung verabschiedet worden. Die DH ist international schon viellänger ein Begriff, wie oben schon beschrieben. In Deutschland müssen zunächst die Ausbildung zur ZFA und je nachdem, anschließend die Weiterbildung zur ZMP/ZMF sowie einige Jahre im Beruf absolviert werden, bevor die DH-Weiterbildung angefangen werden kann.

Kammer DH
Laut der Bundeszahnärztekammer bildet die höchste Ebene des stufenweisen, modularen Fortbildungssystems gegenwärtig das Berufsbild der Dentalhygienikerin. Nach internationalem Vorbild ist ihr Aufgabengebiet in der Praxis primär die umfassende orale Prophylaxe im Rahmen der Vor- und Nachbehandlung parodontaler Erkrankungen. Die intensive Beratung und Motivation der Patienten zur häuslichen Prophylaxe gehören ebenso zu ihrem Verantwortungsbereich wie die Assistenz bei allen komplizierten Behandlungen im Zahn-, Mund- und Kieferbereich (das Assistieren ist International nicht immer so). Die DH-Weiterbildung der Kammer beinhaltet ca. 800-950 Stunden und kann an verschiedenen Zahnärztekammern absolviert werden. Seit 2024 bieten die Zahnärztekammern in Hamburg, Bremen, Westfalen-Lippe, Niedersachsen, Stuttgart, Berlin und München die Aufstiegsfortbildung zur DH an. Auch einige private Anbieter bilden DHs aus, zum Beispiel in Leipzig und Witten, wobei viele Kammern die Aufstiegsfortbildungen der privaten Anbieter nicht anerkennen. Die Inhalte sind u. a. Naturwissenschaften, Präventivmedizin, Rechtsgrundlagen, Psychologie und Pädagogik, Anatomie, Physiologie, Pathologie, Untersuchung und Befund, Ätiologie und Pathogenese der Parodontopathien, Ergonomie, Dermatologie, Allgemeinmedizin, Pharmakologie, Orale Pathologie, Rhetorik, Administration und Dokumentation, Röntgenologie, praktische Durchführung präventiver parodontologischer Behandlungen und auch Kariologie. Die Dauer der Aufstiegsfortbildung ist unterschiedlich. Sie variiert zwischen sechs und zwölf Monaten. Voraussetzung für das Antreten zur Weiterqualifizierung sind die abgeschlossene ZMP-Qualifizierung und unter Umständen auch ein bis zwei Jahre Berufserfahrung als ZMP. Außerdem muss eine aktuelle Zertifizierung für einen Erste-Hilfe-Kurs vorliegen. Bei manchen Kammern wird die Weiterbildung modular angeboten, bei anderen wiederum nicht. Manchmal findet zunächst der theoretische Teil mit anschließender Prüfung statt und anschließend die praktischeAusbildung. Bei einzelnen Kammern wird sowohl theoretisch als auch praktisch gleichzeitig ausgebildet.
Bachelor of Science DH (B.Sc.)
Seit 2014 gibt es die Möglichkeit, das Bachelorstudium (B.Sc.) zu Dentalhygiene in Deutschland zu absolvieren, unter anderem an der SRH Hochschule für Gesundheit in Leverkusen, EUFH in Köln und Medical School 11 in Heidelberg. Das Studium sorgt für einen „Shortcut“, da es nicht notwendig ist, erst die ZMP (oder ZMF) abgeschlossen zu haben. Nach der Ausbildung zur ZFA und ca. ein bis drei Berufsjahren als ZFA kann mit dem Studium begonnen werden. Sowohl mit Abitur als auch mit Fachhochschulreife in Verbindung mit einer abgeschlossenen ZFA-Ausbildung. Leider ist es in Deutschland nicht möglich, das Studium ohne ZFA-Ausbildung anzutreten. Insgesamt sechs Semester (180 ECTS = ca. 5.400 Stunden) sind für den Abschluss Bachelor of Science notwendig, wobei die ersten zwei Semester die Ausbildung zur ZFA beinhalten. Bei einem bestehenden Abschluss der Ausbildung zur ZFA kann im dritten Semester eingestiegen werden und das Studium um zwei Semester eingekürzt werden. Die Wissenschaft hat bei den Studiengängen einen hohen Stellenwert und eine Bachelorarbeit bildet den Abschluss, genau wie eine Patientenfallvorstellung Pflicht ist. Oft besteht es aus drei Säulen; Säule eins ist die Präsenzphase am Campus/Online, die zweite Säule ist der Praxistransfer bei einem Arbeitgeber und die dritte Säule ist die Selbstlernphase. Mit dem Abschluss kann danach auch ein akademischer Master angestrebt werden, sogar eine Promotion ist eine Möglichkeit. Oft ist der Anteil an praktischer Ausbildung am Patienten geringer als bei der Weiterbildung der Kammer und dem Bachelor Professional DH. Die Inhalte sind u. a. wissenschaftliches Arbeiten, naturwissenschaftliche Grundlagen, Anatomie, Physiologie, Pathologie und Pathophysiologie, Mikrobiologie, Orale Erkrankungen, Medizintechnik, Medizinprodukte, Pharmakologie, Public Health, Rechtliche Aspekte, qualitative und quantitative Forschung, Informationstechnik, Qualitätsmanagement, Telemedizin, Vorklinik und Klinik. In den Semestern müssen Hausarbeiten geschrieben werden, manchmal auch Präsentationen gehalten werden, aber auch das praktische Arbeiten am Phantom und am Patienten steht im Fokus dieses Studiengangs. Die Präsenzphase an einer Hochschule ist oft geringer, dementsprechend halten es viele für eine gute Wahl, um neben Familie und Arbeit ihre Ziele zu ermöglichen.
Bachleor Professional DH (DH BA)
Ergänzend zur Aufstiegsfortbildung DH kann ein Berufsbachelor (Bachelor Professional) in Dentalhygiene nach dem Berufsbildungsgesetz erworben werden. Die Fortbildung entspricht inhaltlich in etwa den Fortbildungen zur Zahnmedizinischen Prophylaxeassistentin (ZMP) und zur Dentalhygienikerin (DH). Mit mindestens 1.200 Unterrichtsstunden ist sie der Niveaustufe 6 des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) zugeordnet. Im Jahr 2023 ist eine Musterfortbildungsverordnung für die DH BA verabschiedet worden. Noch nicht viele Kammern oder private Anbieter bieten diese DH BA nach der Musterfortbildungsverordnung an. Die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe ist eine davon. Die DH BA kann folgendermaßen aufgebaut sein: In Modul 1 wird Basiswissen zur Prävention von Karies, Gingivitis und Parodontitis vermittelt, mit dem Beginn der praktischen Behandlungen unter Begleitung von erfahrenen Dozent/-innen. Als Abschluss dieses Moduls wird eine Prüfung abgelegt. In Modul 2 wird das Wissen vertieft mit u. a. mehr praktischen Übungen und mehr theoretischem Wissen, wobei auch die Vorstellung eines Patientenfalls und das Führen eines Testatheftes Pflicht ist. Auch nach diesem Modul wird eine Prüfung abgelegt. Nach erfolgreich absolvierten Modulen 1 und 2 besteht die Möglichkeit, als ZMP zu arbeiten. Ab Modul 3 wird sich dann mehr der Parodontologie gewidmet, wobei zuerst die Theorie vermittelt wird, gefolgt von einer schriftlichen Prüfung. Im Abschlussmodul (Modul 4) findet hauptsächlich die praktische Ausbildung der zukünftigen DH BA statt. Neben der Arbeit am Patienten sind verschiedene Aufgaben zu erfüllen, wie z. B. ein Testatheft oder auch eine Fallvorstellung eines Parodontitispatienten. Nach dem Absolvieren aller vier Module ist es erlaubt, den beruflichen Titel Dentalhygieniker/-in Bachelor Professional zu benutzen. Insgesamt dauert die DH BA ca. 18 Monate. Bei manchem Anbieter wird es auch in drei Trimestern angeboten.
Kosten
Die Investition für diese verschiedenen Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten liegt, je nach Anbieter, im Bereich von insgesamt 10.000 bis 25.000 Euro. Je nachdem, was die Vorausbildungsvoraussetzungen sind und ob noch Material wie Instrumente oder Übungsköpfe angeschafft werden müssen. Bei den verschiedenen Anbietern können auch verschiedene Fördermöglichkeiten vorhanden sein. In Niedersachsen gibt es zum Beispiel die NBank, in ganz Deutschland sind Förderungen für Aufstiegsfortbildungen durch BAföG möglich. Welche Fördermöglichkeiten für die entsprechende Qualifizierung vorhanden sind, weiß meistens der Anbieter und kann Auskunft geben.
Welcher Weg am besten ist, ist nicht pauschal zu sagen. Es muss zu der Person (Lerntyp), der persönlichen Situation, dem Ziel (auch späteren Zielen) und der Praxis passen. Bei allen drei Formen ist auch eine Anstellung in einer Zahnarztpraxis unerlässlich, da praktisch geübt werden muss. Nach dem Erreichen des Ziels, DH, sind die Aufgaben und Arbeitsbereiche laut Zahnheilkundegesetz für alle DHs gleich, egal mit welchem Abschluss. Anders ausgedrückt: Egal welchen Weg man wählt, DH zu werden, nach dem Abschluss darf jeder die gleiche Arbeit machen. Auch gibt es keinen Unterschied im Gehalt nach Abschluss.
Aufgabenfelder einer DH
- Ernährungsprotokoll erheben und analysieren
- Individuelle Ernährungspläne für Patienten erstellen
- Über systemische und lokale Fluoridierungsmaßnahmen beraten
- Erstellen von individuellen Fluoridierungsprogrammen
- Anamnese erheben und behandlungsspezifisch interpretieren
- Erste Interpretation von Röntgenbildern
- PAR-Befunde aufnehmen (ST, CAL, REZ, Furkation, Beweglichkeit)
- Testverfahren zur Bestimmung des Karies- und Parodontitisrisikos
- Mundhygiene-Indizes (PI und BI) aufnehmen und interpretieren
- Patienteninformation über Mundkrankheiten und deren bestmögliche Behandlung
- Versiegelung, Anlegen von Kofferdam, Füllungen rekonturieren und polieren
- Entfernung von weichem und hartem sowie klinisch erreichbarem supra- und subgingivalen Biofilm und Konkrementen an Zähnen, Zahnwurzeln und Implantatoberflächen
- Entfernung überstehender Restaurationsränder
Quelle: Delegationsrahmen ZÄKWL
Interview Zahnarzt Lennard Bertram
Herr Bertram, Sie betreiben eine eigene Praxis in Leer (Ostfriesland) und hatten in April 2024 zehnjähriges Jubiläum. Herzlichen Glückwunsch! Sie haben eine Praxis mit drei Zahnärzten, drei ausgelernten Dentalhygienikerinnen, einer Assistentin, die zurzeit den Studiengang zu DH macht, einer, die mitten in der Ausbildung zur ZMP ist, und Sie beschäftigen noch viele andere gut qualifizierte Mitarbeiter. Die Frage, die sich vielleicht vielen stellt ist, warum brauchen Sie eigentlich eine DH in der Praxis?
Unsere Praxis ist ambitioniert, dem Patienten die längste und beste Mundgesundheit zum besten Preis-Leistungs-Verhältnis zu ermöglichen. Hier sind Dentalhygienikerinnen unerlässlich. Jede zahnärztliche oder kieferorthopädische Maßnahme bedarf der Unterstützung durch dentalhygienische Maßnahmen zum Erhalt der natürlichen Zahnhartsubstanz, Erhalt von Restaurationen und Füllungen, Erhalt von Zahnimplantaten und zur Vermeidung von neuen Hartsubstanzdefekten oder neu entstehenden Zahnfleischentzündungen.
Diese Leistungen sind vom Zahnarzt nicht erbringbar – und da wir fortschrittliche Zahnmedizin und Kieferorthopädie zum Wohle der Patienten anbieten wollen, sind Dentalhygienikerinnen unverzichtbar.
Dann kommt sofort die nächste Frage bei mir hoch. Warum haben Sie so viele DHs in der Praxis? Reicht eine DH nicht?
Pro Zahnarzt kann man circa zwei DHs an Arbeitsbedarf rechnen. Es ist mir wichtig, jedem Patienten zu ermöglichen, das Angebot der DH auch annehmen zu können. Meistens sind wir schon Wochen und Monate im Voraus ausgebucht – der Bedarf ist da.
Können Sie denn ohne DHs in der Praxis arbeiten?
Ich könnte ohne DH’s in der Praxis arbeiten, da ich selbst als Zahnarzt sämtliche Leistungen der DH auch durchführen darf. Der Tag hat aber nur 24 Stunden – soll heißen wer soll wann den Bedarf an Dentalhygiene auffangen?
Herr Bertram, was machen die DHs in der Praxis, wodurch sich Ihr Arbeitsalltag erleichtert? Nur die PAs oder auch noch andere Sachen wodurch es in der Praxis besser läuft?
Neben den oben erwähnten enger dentalhygienischen Maßnahmen können Dentalhygienikerinnen zum Beispiel auch Kariesinfiltrationen durchführen, Attachments für invisalign kleben oder andere Non-Prep-Füllungen durchführen. Auch organisatorisch sind DHs sehr gut in der Lage, mich zu unterstützen.
Sie haben seit Kurzem eine Kooperation mit TRIMED geschlossen, eine neue Akademie für zahnmedizinische und medizinische Berufe, die unter anderen eine Ihrer Mitarbeiterinnen gegründet hat. Warum ist Ihnen diese Kooperation wichtig?
Natürlich um meine Mitarbeiterin und Ihre Ko-Gründerinnen zu unterstützen. Die Weiterentwicklung von Fachpersonal ist mir wichtig, dadurch steigert sich die Qualität der Behandlung in der Praxis. Außerdem ist es für manche oft schwierig, die weiten Strecken zu einer Fortbildung zu fahren, da sie zum Beispiel noch kleine Kinder haben und nicht so flexibel sind. Wenn es in der Region eine Möglichkeit für Fort- und Weiterbildung gibt, können mehr lehrgierige ZFAs sich weiterentwickeln, was nur positiv ist für alle Patienten.
Eine letzte Frage noch für Sie Herr Bertram, die sich bestimmt viele Praxisinhaber stellen: Lohnt es sich finanziell, eine DH einzustellen, jetzt mit der ganzen Budgetierung?
Es lohnt sich derzeit absolut, eine DH zu beschäftigen. Der Honorarverteilungsmaßstab bezieht sich ja auf die Anzahl der Patienten. Jeder Patient, der nur für eine Prophylaxe und 01 erscheint, erhöht den absoluten Betrag des Budgets. Das Beschäftigen von DH MUSS sich auch absolut lohnen, unwirtschaftliche Unternehmen überleben nicht. Das Prinzip ist win-win-win für Praxisinhaber, DH und Patienten.
Wir bedanken uns herzlich für dieses Interview und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute.
Quellen:
Wikipedia: Dentalhygienikerin
TRI-MED www.TRI-MED.de
BZÄK www.BZAEK.de/praxisteam/zahnmedizinische-fachangestellte/aufstiegchancen
ZÄK Bremen www.zaek-hb.de/dentalhygienikerin
ZÄK Niedersachsen www.zkn.de/zahnaerzte-und-praxisteam/praxis-und-fachpersonal/dentalhygieniker-in-dh/
Westfalen-Lippe www.zahnaerzte-wl.de/pages/dentalhygiene
Stuttgart www.zfz-stuttgart.de/kurse/30-dentalhygieniker-in-professional/
München www.blzk.de/blzk/site.nsf/id/pa_dentalhygieniker
Berlin www.zaek-berlin.de/praxisteam/zfa-aufstiegsfortbildung
SRH Hochschule www.srh-gesundheitshochschule.de/bachelor/dental-hygienist
EUFH www.eufh.de/bachelor/dentalhygiene-praeventionsmanagement
Medical School11 www.medicalschool11.de/studium/dentalhygiene
Praxisdienste www.praxisdienste.de
https://pink15.de/stipendium
Autorinnen: Ester Hoekstra, M.Sc., M.Sc. und Sandra Wooßmann
Download Artikel ZWP & Teamwork
ZA0124_DH-Qualifikation
Artikel Teamwork mgo FachverlageDa ist noch Luft nach oben
Teams sind wichtig
Teams können Ziele erreichen, die Einzelpersonen nicht erreichen können. Ausserdem sind da zahlreiche Belege aus vielen Bereichen, darunter auch dem Gesundheitswesen, die zeigen, dass effektive Teams Erfolge erzielen. Sogar exzellente Erfolge. Aber Teams können entweder erfolgreich sein oder scheitern, das liegt an viele Faktoren. Wir wissen, dass effektive Teams bestimmte Eigenschaften haben.
Aufbau
Daher ist der Aufbau eines effektiven Teams eine wichtige Fähigkeit für (Zahn)Arztpraxen. Dennoch ist Teambuilding selten in den traditionellen (zahn)medizinischen Lehrplänen enthalten, und die meisten Zahnärztinnen und Zahnärzte (Vorgesetzte) lernen dadurch leider nicht, wie man ein Team aufbaut.
(Stoller JK. Building Teams in Health Care. Chest. 2021 Jun;159(6):2392-2398. doi: 10.1016/j.chest.2020.09.092. Epub 2020 Sep 21. PMID: 32971073)
Effektive Teams haben spezifische Eigenschaften
Laut Katzenbach und Smith (1999) ist ein Team „eine kleine Gruppe von Menschen (in der Regel weniger als 20) mit ergänzenden Fähigkeiten, die sich für ein gemeinsames Ziel und eine Reihe spezifischer Leistungsziele engagieren“.
(Katzenbach JR, Smith DK. The Wisdom of Teams: Creating the High-Performance Organization. HarperCollins, New York, NY 1999)

Bedeutung von Größe
Jedes Element dieser Definition – kleine Größe, komplementäre Fähigkeiten, gegenseitiges Engagement für gemeinsame Zwecke und Ziele – sind von entscheidender Bedeutung. Die Größe des Teams ist wichtig, vor allem nicht zu große Teams, damit die Stimme jedes einzelnen Teammitglieds gehört und positiv bewertet werden sollte.
Sub-Teams
Die geringe Größe (weniger als 20 Personen) ermöglicht das Engagement der Mitglieder, was von entscheidender Bedeutung ist für Teamerfolg. Wenn also ein Team größer ist als 20, kann es hilfreich sein, Sub-Teams zu erstellen, damit die Teams wieder kleiner werden und dadurch der Zusammenhalt erhöht wird.
Alles schön und gut, aber wie packt man sowas an?
In der (Zahn)Arztpraxis arbeiten viele Frauen und Du weißt ja was die sagen über Frauen… Zickenkrieg vorprogrammiert. Aber ist das wirklich wahr? Nein! Klar, sind Frauen anders als Männer und kommunizieren dementsprechend auch anders. Was nicht bedeutet, dass wir Frauen nicht gut zusammenarbeiten können.
Frauen „lesen“ anders

Frauen sind zum Beispiel besser darin andere Menschen lesen. In eine Studie von Spies und Servincer (2018) ist herausgekommen, dass Frauen besser sind im Erkennen von authentischem und nicht-authentischem Lachen als Männer. Wir haben dafür ein extra Radar. Dementsprechend ist auch die Kommunikation mit Frauen und vor allem unter Frauen anders als bei Männern.
(Spies M, Sevincer AT. Women outperform men in distinguishing between authentic and nonauthentic smiles. J Soc Psychol. 2018;158(5):574-579. doi: 10.1080/00224545.2017.1409187. Epub 2018 Jan 8. Erratum in: J Soc Psychol. 2020;160(2):264-266. doi: 10.1080/00224545.2019.1599547. PMID: 29182453.)
Aber egal ob mehr Frauen oder mehr Männer, Kommunikation ist und bleibt herausfordernd
In der Praxis haben wir es nämlich mit vielen unterschiedlichen Charakteren zu tun. Wir werden einfach zusammen gewürfelt und müssen mal klarkommen miteinander. Das das nicht immer so einfach ist, brauchen wir keinem zu erzählen. Mittels Gespräche oder auch durch Persönlichkeitstests, lernt das Team sich besser kennen. Weil wenn man sich besser versteht, warum jemand etwas macht, was er macht, wird das Verständnis füreinander auch größer.
Teammeeting: Was auch wichtig ist für ein gutes Betriebsklima, sind regelmäßige Teammeetings. Nicht die Art bei der jeder sich auskotzt und immer das Gleiche erzählt wird, sondern die strukturiert und konstruktiv sind. Und nein, 1 oder 2 mal im Jahr reichen definitiv nicht aus. Je nach Praxisstruktur und -größe, kann es 1-mal wöchentlich, 1-mal monatlich oder alle 6 Wochen sinnvoll sein.
Auch Teambuildingstage: bei der zum Beispiel (unter Anleitung) Spiele gespielt werden, können zu einem besseren Betriebsklima beitragen. Ein Praxishymne oder Praxislied kann auch der Atmosphäre zugutekommen.
Blick auf sich selbst: Wichtig für ein gutes Betriebsklima ist, dass man erst bei sich schaut. Wer bin ich, was sind meine Stärken und Schwächen. Dann das Verständnis füreinander aufbauen und gemeinsame Ziele formen und erreichen. Und klappt es nicht, auch nicht nach mehreren Versuchen? Dann scheu dich nicht und hol dir Unterstützung von extern.
#Esterdeutsch

Kinder Prophylaxe ist wichtig
Kinder und Eltern, die in Kinderprophylaxeprogrammen mitmachen habe mehr Bewusstsein für deren Mundgesundheit und den Folgen einer schlechten Mundgesundheit.Also wir haben jetzt schon mal festgestellt, dass die Kinderprophylaxeprogramme in der Praxis für die Kinder sehr positiv sind, weil dadurch die Chance auf Karies verringert wird. Das ist schon mal gut. Aber wie sieht das aus für die Praxis? Was für Vorteile hat so ein Kinderprophylaxeprogramm für die Praxis und deren Mitarbeiter?
Infektionskrankheit Karies
Weltweit leiden schätzungsweise 2,4 Milliarden Menschen an Karies der bleibenden Zähne und 486 Millionen Kinder leiden an Karies der Milchzähne.
In eine Studie von Fraihat et al. wird ausführlich besprochen was für Vorteile die Kinderprophylaxe für die Praxis und die Kinder haben kann.
Compliance
Die Compliance (Adhärenz) von Kindern und später den Erwachsenen wird erhöht. Sie verstehen besser, warum die häusliche mechanische Reinigung wichtig ist, aber auch die regelmäßige professionelle mechanische Reinigung in der Praxis. Auch sind diese Patienten besser aufgeklärt, welche Einflüsse Nahrung auf die Mundgesundheit haben kann. Diese Patientengruppe ist generell besser aufgeklärt und dadurch wird auch die Einhaltung von Terminen oder auch bei der Notwendigkeit von ZE, die Wichtigkeit von besseren Materialien deutlich besser verstanden und dadurch eher die aufwendigeren, teureren Arbeiten gewählt.
„DER DMFT/DMFT VERBESSERT SICH„
Verbesserung DMFT/dmft
Wir besprechen hier mal ein paar dieser Vorteile:
Es ist durch Langzeitstudien bewiesen worden, dass der DMFT/dmft sich verbessert, wenn wir mehr Zeit und Aufmerksamkeit für die Kinderprophylaxe investieren
Mundgesundheitsbewusstsein
Ein anderer Faktor ist, dass Erwachsene, die schon früh mit der Prophylaxe in Berührung gekommen sind, ein besseres Mundgesundheitsbewusstsein entwickelt haben und dieses in deren erwachsen Leben noch mitführen.
Chance auf Karies
Die Chance auf Karies und oder Gingivitis im erwachsenen Alter ist geringer bei denjenigen, die eine regelmäßige Kinderprophylaxe erlebt haben als bei Erwachsenen, die keine regelmäßige Kinderprophylaxe in deren Kindheit und Jugend mitgemacht haben.
Nur Vorteile für Kinder?
Kinder und Eltern, die in Kinderprophylaxeprogrammen mitmachen habe mehr Bewusstsein für deren Mundgesundheit und den Folgen einer schlechten Mundgesundheit.Also wir haben jetzt schon mal festgestellt, dass die Kinderprophylaxeprogramme in der Praxis für die Kinder sehr positiv sind, weil dadurch die Chance auf Karies verringert wird. Das ist schon mal gut. Aber wie sieht das aus für die Praxis? Was für Vorteile hat so ein Kinderprophylaxeprogramm für die Praxis und deren Mitarbeiter?
Compliance
Die Compliance (Adhärenz) von Kindern und später den Erwachsenen wird erhöht. Sie verstehen besser, warum die häusliche mechanische Reinigung wichtig ist, aber auch die regelmäßige professionelle mechanische Reinigung in der Praxis. Auch sind diese Patienten besser aufgeklärt, welche Einflüsse Nahrung auf die Mundgesundheit haben kann. Diese Patientengruppe ist generell besser aufgeklärt und dadurch wird auch die Einhaltung von Terminen oder auch bei der Notwendigkeit von ZE, die Wichtigkeit von besseren Materialien deutlich besser verstanden und dadurch eher die aufwendigeren, teureren Arbeiten gewählt.

Finanzielle Aspekt
Ein weiterer Vorteil von einem erfolgreichen Kinderprophylaxeprogramm ist, die direkten Einnahmen für die Praxis. Die IP-Leistungen sind nicht im Budget erhalten und dementsprechend auch nicht gedeckelt. DIe Leistungen IP1-5 müssen natürlich so dokumentiert werden, dass immer nachzuvollziehen ist, was an diesem Termin passiert ist und es auch tatsächlich stattgefunden hat.
IP 1 & 2: Bei der IP1 wird die Mundhygienestatus, der Plaque und Blutungsindex aufgenommen und dokumentiert. Bei der IP2 wird anhand des Ergebnisses von der IP1, der Patient über deren Mundgesundheit aufgeklärt. In dieser Aufklärung sollen innerhalb von 3 Jahren diese 3 Punkte vermittelt werden:
Punkt 1. Karies- und Gingivitisentstehung
Punkt 2. gesunde Ernährung und deren Einfluss auf Zähne und Körper
Punkt 3 ist die Mundhygieneinstruktion
IP 4: Die IP4 Leistung enthält die lokale Fluoridierung mit Lack, Gel o. ä. einschließlich der Beseitigung von weichen Zahnbelägen und der Trockenlegung der Zähne. Denn Fluorid kann nicht durch Plaque arbeiten.
IP 5: Bei der IP5 wird die kariesfreie Fissurenversiegelung angestrebt, natürlich nach der gründlichen Reinigung, zum Beispiel mit Pulverwasserstrahlgeräten oder einer Politur mit entsprechenden Materialien.
All diese Maßnahmen sind, wenn sie korrekt geplant und ausgeführt werden, ein wichtiger Bestandteil zur Mundgesundheit der Kinder und später der Erwachsenen und ganz nebenbei eine gute, sichere und solide Einnahmequelle für die Praxen.
#Esterdeutsch
Fraihat N, Madae’en S, Bencze Z, Herczeg A, Varga O. Clinical Effectiveness and Cost- Effectiveness of Oral-Health Promotion in Dental Caries Prevention among Children: Systematic Review and Meta- Analysis. Int J Environ Res Public Health. 2019 Jul 25;16(15):2668. doi: 10.3390/ijerph16152668. PMID: PMCID: PMC6696287

Vorab: Klar, geht es bei dem Prinzip nicht um die niedlichen Koalas. Es ist ein Akronym, also ein Kurzwort, welches aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter gebildet wird.
In der Literatur finden sich unzählige Tipps und Modelle mit vielen Schrittabfolgen, wie ein solches Gespräch stattfinden kann/soll. In den diversen Sparten der Betriebswirtschaftslehre gibt es sehr viele Schrittfolgen, wie dieses und jenes zu planen, zu steuern und zu bearbeiten sei. Von drei bis neuen Stufen, den 8 Grundsätzen des Qualitätsmanagements, 4 Phasen des Projektmanagements und so weiter. Ist das alles überfrachtet? Das ist sicher auch Geschmackssache. Der Vorteil ist, dass solche Schrittfolgen uns Sicherheit geben. Sie geben uns eine Struktur und helfen, an „alles“ zu denken und es scheinbar richtig zu machen.
Scheinbar? Da genau ist gleichzeitig der Haken. Ich bin eine große Freundin solcher Hilfestellungen, wenn du es locker siehst. Insbesondere in der Kommunikation erlebe ich es häufig, dass Personaler:innen oder Chef:innen sich an vorgegebene Schrittfolgen halten. Oftmals weil ein Coach vor Ort war und eines der Modelle vorgestellt hat. „Arbeitet“ man diese nun ab, erreicht man häufig nicht das gewünschte Ergebnis. Denn gerade in der Kommunikation kommt es auf den Zusammenhang, die Umgebung und den Rahmen an. Nicht jedes Modell lässt sich auf jeden Menschen und jedes Unternehmen übertragen. Unser Gegenüber merkt sofort, dass hier ein Gespräch stattfindet, welches nach einer „Schnur“ abgearbeitet wird. Der Mensch, um den es geht, bleibt auf der Strecke.
Gleichwohl ist eine Struktur gut. Es hilft dir, an alles zu denken und dein Zeitmanagement im Blick zu haben. Und ich stelle dir heute eines von vielen Modellen einfach mal vor. Das Wichtigste ist, schau, ob es zu dir, deinem Unternehmen und deinem Gesprächspartner passt. Nutze es zur gedanklichen Vorbereitung. Dein Gespräch führe bitte immer offen, ohne Zettel (wenn möglich) und der Situation angemessen. Löse dich wieder etwas von den Schritten. Damit ist gemeint, arbeite die Schritte nicht krampfhaft ab. Bleibe authentisch.
Fakt ist:
Ein Kritikgespräch kann für viele Menschen eine unangenehme Erfahrung sein. Was ist der positive Aspekt? Es kann eine Gelegenheit für persönliches Wachstum und Verbesserung bieten. Ein nützlicher Leitfaden für ein erfolgreiches Kritikgespräch ist das sogenannte KOALA-Prinzip. Dabei steht KOALA für konkret, offen, akzeptierend, lösungsorientiert und aktiv.
Keine allgemeinen Vorwürfe:
Zunächst soll die Kritik konkret sein und sich auf bestimmte Verhaltensweisen oder Handlungen beziehen, anstatt allgemeine Vorwürfe zu machen. Es ist auch wichtig, offen zu sein und sowohl die Perspektive des Kritikers, als auch des Kritisierten anzuerkennen. Eine akzeptierende Haltung kann helfen, eine offene und ehrliche Diskussion zu fördern.
Blick in die Zukunft
Weiterhin sollte das Gespräch lösungsorientiert sein und sich darauf konzentrieren, wie das Verhalten verbessert werden kann. Schließlich ist es wichtig, aktiv zu bleiben und Maßnahmen zu ergreifen, um die Situation zu verbessern.

Das KOALA-Prinzip
Das KOALA-Prinzip kann ein Leitfaden sein und dir dabei helfen, dein Gespräch konstruktiv zu gestalten und positive Ergebnisse zu erzielen. Das Schema ist immer gleich:
- K die Kontaktphase (kurz)
- O die Orientierungsphase
- A die Analysephase
- L die Lösungsphase
- A die Abschlussphase
Konkret heißt das:
Vorab: es ist tatsächlich nicht so einfach, Beispiele zu schreiben, da Gespräche von unfassbar vielen Faktoren abhängen. Jedes Beispiel könnte ich selbst in der Luft zerreißen und in der Hinterhand habe ich gleichzeitig viele Praxisbeispiele, die scheinbar „unmöglich“ waren und gute Ergebnisse erzielt haben.
Kontaktphase:
Begrüßung zum Gespräch, hier kann ein Danke für die Zeit und Bereitschaft angemessen sein, je nach Anlass ist hier auch Raum für ein bisschen Small-Talk. Achtung: Bitte kurzhalten, dein Gegenüber weiß, dass es ein Kritikgespräch ist und sitzt in der Regel etwas „auf Kohlen“. Daher ziehe den Teil nicht in die Länge zum Beispiel, weil man sich selbst möglicherweise etwas unwohl fühlt. Gegen das eigene Unwohlsein hilft, im Vorfeld Klarheit über die eigene Haltung zu haben und mit positiven Gedanken in das Gespräch zu gehen.
Orientierung:
Hier geht es um das WAS, WIE, WARUM und den Ablauf des Gesprächs. Was ist dein positives und konstruktives Ziel des Gesprächs. So nimmst du die Angst vor einer Abmahnung oder Kündigung und hast mehr Aufmerksamkeit.
Analysephase:
Erst hier wird geschaut, wie es zu der Situation kommen konnte. Sachlich, objektiv und ohne zu bewerten. Du sprichst aus deiner Sicht und deiner Wahrnehmung. Keine Generalisierung, keine pauschalen Aussagen. Klassische Formulierungen sind hier: „Mir ist aufgefallen, dass…“, „Mir kam es so vor, als…“. Gib nun deinem Gegenüber ausreichend Zeit und Raum, sich zu äußern. Interessiere dich für die andere Seite. Aktives Zuhören ist hier eine wichtige Methode. Dein Redeanteil ist hier deutlich geringer. Du kannst auch zu einem Perspektivwechsel anregen: „Wenn wir die Plätze/Positionen tauschen, wie würdest du das wahrnehmen?“
Lösungsphase:
Zusammen schaut ihr, wie soll es in Zukunft laufen. Du kannst hier deinen Wunsch formulieren. Insgesamt ist dein Redeanteil geringer, dein Gegenüber soll aktiv seine Lösung einbringen. Gemeinsam bringt ihr diese auf den Punkt. Ihr definiert ein Ziel. Je mehr das von deinem Gegenüber kommt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Ziel auch umgesetzt und erreicht wird. Alles andere erinnert eher an den Sandkasten, wo man sich gezwungenermaßen die Hände schüttelt und einfach „macht“, was gesagt wurde. Das hält meist nicht lange.
Abschlussphase:
Hier fasst du die Eckpunkte zusammen. Ihr vereinbart einen neuen Termin zur Reflektion. Hier kann auch ein Feintuning des Ziels zum Tragen kommen. Dann kannst du dich für das Gespräch und die gute Lösung bedanken, einen optimistischen Ausblick in die Zukunft geben. Eine freundliche Verabschiedung mit guten Wünschen beendet das Gespräch.
KOALA-Prinzip im Anwenden
Ob ein Gespräch erfolgreich ist oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab. Neben einer Gesprächsstruktur ist nach meiner Auffassung die innere Haltung entscheidend. Deswegen heißt Koala auch:

Wo kann ich das Koala-Prinzip anwenden?
- Mitarbeitergespräche
- Teamgespräche
- Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen
- Partnerschaft
- Grundsätzlich für alle Gespräche, bei denen es um Verhalten geht, was geändert werden möchte, als „schwierig“ empfunden wird und bei denen du Eskalation befürchtest und verhindern möchtest.
Stolperstelle KOALA-Prinzip:
Fast nix ohne ein „aufgepasst“. Superschnell kann es bei diesen Gesprächen dazu kommen, dass dein Gegenüber auch direkt „Angestautes“ loswerden möchte. Hier gilt es stark zu bleiben. Heute geht es um DEIN Thema. Alle weiteren Themen bekommen einen neuen Termin.
Wenn du so ein Gespräch einmal üben möchtest, oder mehr Input dazu möchtest, dann melde dich gern bei uns.