Als ZFA oder Dentalhygienikerin bringst du jeden Tag Außergewöhnliches: Präzision, Konzentration, Einfühlungsvermögen – Stunde für Stunde, Patient für Patient. Was dabei oft im Hintergrund bleibt: dein Körper. Genauer gesagt ein Gewebesystem, das alle Strukturen verbindet, stabilisiert und bewegt – die Faszien.

In diesem Artikel erfährst du, was Faszien sind, warum zahnmedizinisches Fachpersonal besonders auf sie achten sollte – und zwei einfache Übungen, die du sofort in deinen Alltag einbauen kannst.

Was sind Faszien?

Faszien sind bindegewebige Hüllen und Strukturen, die deinen gesamten Körper durchziehen. Sie umgeben Muskeln, Organe, Nerven und Knochen und bilden ein dreidimensionales Netzwerk, das alles zusammenhält.

Lange wurden sie als passives Stützgewebe betrachtet. Aktuelle Forschung zeigt jedoch: Faszien können sich aktiv zusammenziehen, reagieren auf Stress, Bewegungsmangel und einseitige Belastungen – und spielen eine zentrale Rolle bei Schmerz und Körperwahrnehmung.

Das bedeutet für dich: Verspannungen im Nacken, Schmerzen in den Handgelenken oder ein dauerhaft angespannter Kiefer sind häufig keine isolierten Beschwerden – sie haben oft eine fasziale Ursache.

Warum bist du als Zahnmedizinerin besonders betroffen?

Studien zeigen, dass über 80 % des zahnmedizinischen Personals unter muskuloskelettalen Beschwerden leidet – vor allem im Nacken-Schulter-Bereich und in den Händen. Die Gründe dafür sind typisch für den Praxisalltag:

Anhaltend gebeugte Haltung

Wer täglich über Patienten gebeugt arbeitet, verkürzt auf Dauer die vorderen Faszienketten – während Nacken und Rücken überdehnt werden. Das Ergebnis: Verspannungen und Schweregefühl.

Repetitive Handbewegungen

Instrumentieren, Polieren, Assistieren – immer wieder die gleichen Abläufe belasten Unterarme und Handgelenke einseitig. Das Fasziengewebe reagiert mit Verhärtungen und Triggerpunkten.

Unbewusstes Kieferpressen

Konzentration und Präzisionsarbeit gehen häufig mit angespanntem Kiefer einher – und die Kaumuskulatur ist direkt mit den Nackenfaszien verbunden. Was viele unterschätzen: Ein verspannter Kiefer setzt sich oft bis in die Schultern fort.

Zwei Übungen, die wirklich helfen

Du musst kein aufwendiges Programm starten. Diese zwei Übungen sind einfach, brauchen nur wenige Minuten – und du kannst sie direkt in der Praxis machen.

1. Schultermobilisation

Wirkung: Mobilisiert die Schultergelenke, löst Verspannungen in der Rückenfaszie und ist ein direkter Ausgleich zur Haltearbeit im Praxisalltag.

Steh aufrecht, Füße hüftbreit. Beginne mit kleinen Schulterkreisen rückwärts (10×), dann mit größeren Kreisen (10×). Wiederhole dasselbe vorwärts. Zum Abschluss: Beide Schultern gleichzeitig zu den Ohren ziehen, 3 Sekunden halten – und dann bewusst fallen lassen. Gerne mit einem tiefen Ausatmer dazu.

Dauer: 2–3 Minuten. Wann: Morgens vor der Arbeit oder kurz zwischen zwei Behandlungen – ideal als kleiner Reset.

2. Unterarm- und Handgelenk-Dehnung

Wirkung: Dehnt die Unterarm-Faszien, fördert die Durchblutung und beugt langfristig Beschwerden wie dem Karpaltunnelsyndrom vor.

Strecke einen Arm nach vorne aus, Handfläche nach oben. Greife mit der anderen Hand die Finger und ziehe sie sanft zu dir heran, bis du eine Dehnung an der Unterarm-Innenseite spürst. 30 Sekunden halten. Dann drehe die Handfläche nach unten und wiederhole die Dehnung auf der Außenseite. Seitenwechsel.

Ergänzend: Ein kleiner Ball (z. B. ein Igelball) über die Handflächen gerollt löst fasziale Spannungen und tut nach einem langen Behandlungstag einfach gut.

Dauer: Je 30 Sekunden pro Seite und Position. Wann: Kurz nach jedem Patienten – oder abends auf der Couch mit dem Ball.

Was passiert dabei in deinem Körper?

Faszientraining wirkt auf mehreren Ebenen gleichzeitig:

  • Durch Dehnung und Druck werden Mechanorezeptoren aktiviert – das kann die Schmerzwahrnehmung positiv beeinflussen.
  • Die Gleitfähigkeit zwischen den Faszienschichten verbessert sich: Eine gelertige Substanz dient als natürliches Gleitmittel und wird durch Bewegung wieder flüssiger.
  • Die Durchblutung wird gefördert – das versorgt das Gewebe mit frischer Energie.
  • Regelmäßige Übungen verbessern deine Körperwahrnehmung und damit langfristig auch die Qualität deiner Bewegungen.

Wichtig: Diese Übungen dienen der Prävention und dem Wohlbefinden im Alltag. Bei akuten oder anhaltenden Beschwerden sprich bitte mit einer Ärztin oder einem Physiotherapeuten.

Dein Körper ist dein wichtigstes Arbeitsinstrument

Die Arbeit in der Zahnarztpraxis verlangt täglich viel von dir – körperlich und mental. Gerade deshalb lohnt es sich, in die eigene Gesundheit zu investieren: nicht mit großem Aufwand, sondern mit kleinen, konsequenten Gewohnheiten.

Probier einfach eine der beiden Übungen aus – schon morgen früh, bevor der erste Patient kommt. Dein Körper wird es dir danken.

Weiterführende Literatur

Schleip, R. et al. (2012). Fascia: The Tensional Network of the Human Body. Elsevier.

Myers, T. W. (2020). Anatomy Trains (4th ed.). Elsevier.

Valuch-Lynch, D. M. et al. (2016). Work-related musculoskeletal disorders among dental hygienists. Journal of Dental Hygiene, 90(6).

Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich informativen Zwecken und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder akuten Beschwerden konsultiere bitte eine Ärztin oder einen Arzt.

Hast du gewusst, dass das, was du isst, direkt Einfluss auf dein Zahnfleisch hat? Klingt erstmal ungewohnt – aber die Wissenschaft ist da ziemlich eindeutig. In diesem Artikel erklären wir dir, was Parodontitis wirklich ist, warum Entzündungen im Mund so oft mit unserer Ernährung zusammenhängen, und was du ganz konkret auf dem Teller tun kannst.

Was ist Parodontitis – und warum ist sie so ein großes Thema?

Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnhalteapparats – also des Gewebes, das deine Zähne im Kiefer hält. In Deutschland ist sie weit verbreitet: Rund 50 Prozent der Erwachsenen sind betroffen – und dass, obwohl 95 Prozent der Menschen regelmäßig Zähne putzen. Das zeigt: Zähneputzen allein reicht nicht aus. Es muss etwas geben, das tiefer ansetzt.

Parodontitis entsteht durch Bakterien im Zahnbelag. Aber ob und wie stark sich eine Entzündung entwickelt, hängt von weit mehr ab als nur davon, wie gut du putzt. Ernährung hat sowohl einen lokalen Einfluss auf das orale Mikrobiom als auch systemisch über gesamtkörperliche Wege – und genau das macht sie zu einem so wichtigen Faktor.

Die Forschung dahinter: Was sagt die Wissenschaft?

Einer der führenden Köpfe auf diesem Gebiet ist Prof. Dr. Johan Wölber, Professor für Parodontologie am Universitätsklinikum Dresden. Er hat sich intensiv damit beschäftigt, wie Ernährung Zahnfleischerkrankungen beeinflusst – und kommt zu einer überraschenden Erkenntnis: Die Entfernung von Zahnbelag durch Zähneputzen bekämpft nicht die eigentliche Ursache von Parodontitis. Diese liegt tiefer – nämlich in unserer Ernährung.

In seinem Buch Die Ernährungs-Zahnbürste (gemeinsam mit Prof. Dr. Christian Tennert) beschreibt Wölber, wie Zucker, entzündungsfördernde Fette und tierische Proteine den gesamten Organismus aus dem Gleichgewicht bringen – und damit auch das Zahnfleisch angreifen. Sein zweites Buch, das Kochbuch Al Dente – Das Kochbuch der Ernährungszahnmedizin (2025), zeigt ganz praktisch, wie eine zahngesunde Ernährung im Alltag aussehen kann – mit alltagstauglichen Rezepten, die Lust auf Veränderung machen.

In einer Pilotstudie konnte sein Team an der Uniklinik Freiburg zeigen: Probanden, die sich vier Wochen nach einer antientzündlichen Ernährungsempfehlung ernährten, reduzierten ihre parodontale Entzündung um etwa 50 Prozent – obwohl sich die Plaquewerte nicht signifikant veränderten. (Woelber et al., 2016)

Mit anderen Worten: Weniger Entzündung, obwohl nicht mehr geputzt wurde. Das ist ein starkes Signal. Eine weitere Analyse von fast 7.000 Patienten ergab zudem, dass Menschen mit einer antientzündlichen Ernährung im Schnitt fast einen Zahn weniger verloren, hatten als Patienten mit einer eher entzündungsfördernden Ernährung. (Kotsakis et al., 2017)

Was entzündet – und was schützt?

Das macht Probleme:

Zucker und verarbeitete Kohlenhydrate – also Weißbrot, Softdrinks, Süßigkeiten und Fertigprodukte – fördern Entzündungen im ganzen Körper. Prof. Wölber betont, dass Zucker ein geteilter Risikofaktor ist: Er begünstigt nicht nur Parodontitis, sondern auch Karies, Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch Omega-6-reiche Fette aus stark verarbeitetem Fleisch oder Pflanzenölen wie Sonnenblumenöl können entzündungsfördernd wirken.

Das hilft deinem Zahnfleisch:

Eine überwiegend pflanzliche, niederglykämische Ernährung, reich an Mikronährstoffen, Ballaststoffen, Antioxidantien und Omega-3-Fettsäuren, wirkt nachweislich entzündungshemmend. Konkret heißt das:

  • Omega-3-Fettsäuren aus fettem Fisch (Lachs, Hering, Makrele), Leinsamen oder Walnuss – sie helfen dem Körper, Entzündungen aktiv aufzulösen.
  • Vitamin C aus frischem Obst und Gemüse – wichtig für das Bindegewebe und als Antioxidans. Studien zeigen: Vitamin C im natürlichen Wirkverbund (aus echten Lebensmitteln, nicht aus Ergänzungsmitteln) senkt parodontale Entzündungen.
  • Vitamin D – es wirkt immunmodulierend, und ein Mangel gilt als Risikofaktor für Parodontitis.
  • Ballaststoffe aus Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkorn und Nüssen – sie ernähren eine gesunde Darmflora und wirken systemisch antientzündlich.
  • Polyphenole und sekundäre Pflanzenstoffe – zum Beispiel aus Beeren, grünem Tee oder buntem Gemüse.

Was kannst du heute schon ändern?

Du musst nicht von heute auf morgen alles umstellen. Kleine, konsequente Schritte machen den Unterschied:

  • Ersetze Weißbrot und Weißen Reis durch Vollkornvarianten.
  • Iss zwei- bis dreimal pro Woche fetten Fisch.
  • Greif öfter zu frischem Gemüse und saisonalem Obst.
  • Reduziere Softdrinks und Süßigkeiten – Zucker wie ein Gewürz verwenden, nicht wie eine Zutat.
  • Ergänze Vitamin D, wenn du selten in der Sonne bist (Rücksprache mit der Zahnarztpraxis oder der Arztpraxis empfehlenswert).

Fazit: Dein Teller ist Teil deiner Mundhygiene

Mundhygiene endet nicht mit dem Zähneputzen. Was du isst, beeinflusst direkt, wie dein Immunsystem auf Bakterien im Mund reagiert. Evidenzbasierte Ernährungsinterventionen können sowohl präventiv als auch therapeutisch begleitend im Rahmen einer parodontalen Therapie eingesetzt werden – das zeigt die aktuelle Forschung klar.

🧡 Altersvorsorge 2026

Eine Geschichte eines Vaters (1976) und seiner Tochter (ZFA, 2001)
Klingt komisch? Ist aber so.

Heute schauen wir uns Altersvorsorge nicht mit Fachbegriffen an.
Sondern mit einer kleinen Geschichte.

Es geht um zwei Menschen:
👉 Thomas, geboren 1976, seit über 25 Jahren im Berufsleben
👉 Lisa, geboren 2001, seine Tochter – sie arbeitet in einer Zahnarztpraxis als ZFA

Beide sind berufstätig.
Beide zahlen in die gesetzliche Rentenversicherung ein.
Und beide verlassen sich ein bisschen darauf, dass „später schon irgendwas rauskommt“.

Aber genau hier beginnt das Maus-Problem 🐭

🔵 Teil 1 – Der Vater: „Ich hab doch alles richtig gemacht“
Als Thomas angefangen hat zu arbeiten, war die Welt noch relativ einfach.
Er kannte einen Satz, den damals fast jeder gehört hat:
„Wenn du lange genug arbeitest, bekommst du später eine ordentliche Rente.“

Warum das funktioniert hat?
Weil unser Rentensystem ein Umlageprinzip ist:
Die Menschen, die heute arbeiten, bezahlen direkt die Renten der heutigen Rentner.
Oder in Maus-Sprache:
Die arbeitenden Mäuse bringen den Käse, die älteren Mäuse essen ihn 🧀
Und damals gab es davon viele.

🟠 Teil 2 – Die demografische Mausfalle
Früher:
– Viele junge Arbeitnehmer
– Wenige Rentner

Heute (2026):
– Immer mehr Rentner
– Immer weniger Beitragszahler
– Menschen leben deutlich länger

Früher haben ungefähr 4 Arbeitnehmer einen Rentner finanziert.
Heute sind es etwa 2.
Und es werden noch weniger.

Die Maus würde sagen:
Der gleiche Käse muss plötzlich für viel mehr Mäuse reichen.
Für Thomas bedeutet das:
Seine gesetzliche Rente wird nicht reichen, um seinen heutigen Lebensstandard zu halten.
Nicht, weil er etwas falsch gemacht hat.
Sondern weil sich die Bevölkerung verändert hat.

🟢 Teil 3 – Die Tochter: ZFA in der Zahnarztpraxis
Jetzt kommt Lisa ins Spiel.
Lisa ist Zahnmedizinische Fachangestellte.
Sie arbeitet viel, steht den ganzen Tag, organisiert, assistiert, kümmert sich um Patienten – und am Monatsende bleibt kein riesiges Gehalt übrig.
Sie zahlt ebenfalls in die Rentenversicherung ein.
Aber bei ihr ist die Ausgangslage eine völlig andere.
Denn:
– Ihr Einstiegsgehalt ist deutlich niedriger als das ihres Vaters damals
– Sie wird länger leben
– Sie wird mehr Rentner mitfinanzieren

Oder wieder in Maus-Sprache:
Lisa bringt später Käse in das System — bekommt aber selbst wahrscheinlich nur ein kleines Stück zurück.
Für sie ist die gesetzliche Rente keine Vollversorgung mehr.
Sie ist nur noch eine Basis.

🔴 Teil 4 – Gleiche Rente, völlig unterschiedliche Aufgaben
Jetzt wird es spannend.
Beide zahlen in dasselbe System ein.
Aber sie haben komplett unterschiedliche Probleme:

Thomas (1976)Lisa – ZFA (2001)
Weniger Zeit bis RenteSehr viel Zeit
Höheres EinkommenNiedrigeres Einkommen
Muss Lücke schließenMuss Vermögen aufbauen
System hat sich verändertSystem war nie stabil für sie

Thomas braucht Struktur.
Lisa braucht Zeit und einen Plan.
Und genau hier passiert der häufigste Fehler:
Viele behandeln Altersvorsorge wie ein Produkt.

Die Maus würde sagen:
Man kann nicht jede Maus mit demselben Käse satt machen 🐭

🟣 Teil 5 – Was Altersvorsorge 2026 wirklich bedeutet
Altersvorsorge ist heute kein Vertrag mehr.
Sie ist eine Kombination aus Bausteinen:
– Gesetzliche Rente (Basis)
– Betriebliche Möglichkeiten
– Private Vorsorge
– Kapitalmarkt (z. B. Fonds/ETF)
– Flexibilität
Der wichtigste Faktor ist dabei nicht die Rendite.

Es ist Zeit.

Lisa hat davon viel.
Thomas hat davon wenig.

Deshalb kann Lisa mit kleinen Beträgen langfristig mehr erreichen als Thomas mit großen Einzahlungen kurz vor der Rente.

Klingt komisch? Ist aber so.

🟡 Das Fazit

Thomas muss heute aktiv werden, damit sein Ruhestand planbar bleibt.
Lisa muss früh anfangen, damit sie später überhaupt Wahlmöglichkeiten hat.
Beide brauchen nicht mehr Informationen.
Sie brauchen Verständnis für das System.

Denn:
Die gesetzliche Rente ist heute nicht mehr der ganze Käse.
Sie ist nur noch die Käserinde.

Und der Rest entsteht durch Entscheidungen, die man früh genug trifft.

Markus Lipinski
Finanzberater
selbstständiger Handelsvertreter für Swiss Life Select
Spezialist für Investment/AIF
Grubenlicht 1
59075 Hamm
Telefax: 0511-90 20-6 93 48
Mobil: 0172-2 83 28 11
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www.swisslife-select.de

Seit Jahren wird in der implantologischen Gemeinschaft kontrovers diskutiert, ob und wie der Vitamin-D-Status des Patienten die Prognose dentaler Implantate und augmentativer Maßnahmen beeinflusst. Viele Praxen haben den Vitamin-D-Spiegel bereits routinemäßig in ihr präoperatives Screening integriert. Nun liegt erstmals eine evidenzbasierte, deutschsprachige S3-Leitlinie vor – entwickelt unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) und der DGZMK in Zusammenarbeit mit 23 Fachgesellschaften, Organisationen und Patientenvertretungen. Die Kernbotschaft: Differenzierung statt Routine.

Hintergrund: Die neue S3-Leitlinie im Überblick

Die Leitlinie tägt den Titel ‚Relevanz der Vitamin-D-Bestimmung und -Supplementierung auf die Implantatprognose und Augmentationschirurgie‘ (AWMF-Registriernummer: 083-055, Version 1.0, Stand: August 2025, gültig bis August 2030). Sie beantwortet systematisch folgende Kernfragen:

  • Erhöht ein Vitamin-D-Mangel die Komplikationsrate bei Implantatversorgungen?
  • Beeinflusst der Vitamin-D-Spiegel Osseointegration, Implantatstabilität und Augmentationsergebnisse?
  • Hat eine gezielte Supplementierung Einfluss auf den Kieferknochenstoffwechsel?

Die systematische Auswertung aktueller Studien liefert ein differenziertes, jedoch insgesamt heterogenes Bild. Die Evidenz wird als niedrig bis moderat eingestuft – was unmittelbar Konsequenzen für die Handlungsempfehlungen hat.

Mit KI erstellt

Warum Vitamin D für die Implantologie relevant ist

Vitamin D (Cholecalciferol, D₃) spielt eine zentrale Rolle im Calcium- und Phosphatstoffwechsel und damit direkt im Knochenstoffwechsel. Niedrige Vitamin-D-Spiegel können mit folgenden klinischen Risiken assoziiert sein:

  • Verzögerter Knochenaufbau und eingeschränkte Osseointegration: Vitamin D ist essenziell für die Mineralisation neu gebildeter Knochenmatrix. Ein Mangel kann die Einheilungsphase verlängern und die primäre Implantatstabilität gefährden.
  • Erhöhte Anfälligkeit für periimplantäre Infektionen: Vitamin D moduliert immunologische Prozesse. Ein Defizit kann die lokale Immunabwehr schwächen und das Risiko einer Periimplantitis erhöhen.
  • Beeinträchtigte Augmentationsergebnisse: Hinweise aus der Literatur deuten auf einen positiven Effekt normwertiger Vitamin-D-Spiegel auf den periimplantären Knochenabbau und die Stabilität augmentativer Maßnahmen hin.

    Die epidemiologische Ausgangslage ist dabei keineswegs zu unterschätzen: Rund 30 % der erwachsenen Bevölkerung weisen einen Vitamin-D-Mangel auf – in den Wintermonaten können es bis zu 50 % der Patientinnen und Patienten sein. Die Prävalenz in der implantologischen Praxis ist damit klinisch höchst relevant.

Die zentrale Leitlinienempfehlung: Individualisierung statt Pauschalierung

Trotz der pathophysiologischen Plausibilität kommt die Leitlinie zu einem klaren Schluss: Ein generelles Screening oder eine pauschale Supplementierung vor Implantationen, Augmentationen oder im Rahmen der Periimplantitistherapie ist durch die aktuelle Studienlage nicht gerechtfertigt. Dies begründet sich in der Heterogenität der vorliegenden Evidenz sowie der Tatsache, dass die Daten gesunder Patienten ohne klinisch relevanten Vitamin-D-Mangel den möglichen Effekt in einem Subkollektiv statistisch überlagern.

Stattdessen empfiehlt die Leitlinie ein individualisiertes, risikobasiertes Vorgehen – mit klaren Indikationen:

Indikationen für eine gezielte Vitamin-D-Bestimmung:

  • Anamnestisch vermuteter oder bereits bekannter Vitamin-D-Mangel
  • Nieren- oder Leberfunktionsstörungen (Einfluss auf Vitamin-D-Metabolismus)
  • Hochbetagte Patienten (> 80 Jahre)
  • Unklare Implantat-Frühverluste in der Vorgeschichte
  • Wiederkehrende periimplantäre Infektionen ohne andere Erklärung
  • Auffällige Wundheilungsverläufe in der Behandlungshistorie

Testmethoden:

Die Leitlinie benennt sowohl qualitätskontrollierte In-office-Finger-prick-Schnelltests als auch konventionelle Labortests als geeignete Methoden zur Vitamin-D-Bestimmung (25-OH-Vitamin-D). Eine routinemäßige Diagnostik von Vitamin-D-Rezeptorpolymorphismen wird hingegen ausdrücklich nicht empfohlen.

Supplementierung bei bestätigtem Mangel:

Liegt ein gesicherter Mangel vor, kann eine präoperative Supplementierung erwogen werden. Ziel ist die Reduktion postoperativer Entzündungsreaktionen und Schwellungen sowie die Unterstützung des Kieferknochenstoffwechsels. Dabei gilt: Supplementierung setzt ein Monitoring voraus. Folgemessungen sind erforderlich, um den Verlauf des Spiegels unter Therapie zu kontrollieren – denn auch die Kehrseite ist leitlinienrelevant.

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Achtung: Das Risiko der Hypervitaminose

Die Leitlinie widmet dem Thema Überdosierung besondere Aufmerksamkeit – und das aus gutem Grund. Drei Punkte sind hier klinisch entscheidend:

  • Intoxikationsrisiko bei Überdosierung: Eine Hypervitaminose D kann schwerwiegende Nebenwirkungen verursachen (Hyperkalzämie, Nierenschäden). Dies ist keine akademische Randerscheinung, sondern eine reale klinische Gefahr bei unkontrollierter Supplementierung.
  • Negativer Einfluss auf die Implantatprognose: Eine Studie aus dem Jahr 2024 liefert Hinweise auf einen negativen Einfluss einer Hypervitaminose auf die Implantatprognose. Zu viel ist also ebenso problematisch wie zu wenig.
  • Monitoring als Pflicht: Eine Supplementierungsempfehlung ohne begleitende Spiegelkontrolle ist nicht leitlinienkonform. Folgemessungen sind zwingend.

Empfehlungen für Ihre Patienten: So führen Sie das Gespräch

Die Leitlinie stellt klar, dass Zahnärztinnen und Zahnärzte die vorhandene Evidenz im Rahmen einer individuellen Risiko-Nutzen-Abwägung in das Beratungsgespräch einbeziehen sollen. Für die Patientenkommunikation empfehlen sich folgende Punkte:

  • Anamnesebogen aktualisieren: Fragen Sie aktiv nach einem bekannten Vitamin-D-Mangel, laufender Supplementierung sowie Nieren- und Lebererkrankungen.
  • Risikogruppen identifizieren: Hochbetagte Patienten, Menschen mit Systemerkrankungen oder auffälliger Vorgeschichte sind gezielt anzusprechen.
  • Transparenz schaffen: Erklären Sie, dass ein generelles Screening nach aktueller Leitlinie nicht indiziert ist – und begründen Sie dies mit der Datenlage. Das schafft Vertrauen.
  • Keine unkontrollierte Eigentherapie: Patienten, die eigenständig hochdosierte Vitamin-D-Präparate einnehmen, sollten über das Hypervitaminose-Risiko und die Notwendigkeit einer ärztlichen Begleitung aufgeklärt werden.
  • Interdisziplinäre Abstimmung: Bei gesichertem Mangel empfiehlt sich die Abstimmung mit dem behandelnden Hausarzt oder Endokrinologen bezüglich Supplementierungsdosis und Monitoring.

Ausblick: Forschungsbedarf und Weiterentwicklung der Leitlinie

Die Autorinnen und Autoren betonen ausdrücklich den Bedarf an weiteren hochwertigen Studien. Zukünftige Forschung sollte insbesondere untersuchen: den Einfluss der Dauer eines bestehenden Vitamin-D-Mangels, die klinische Bedeutung starker Schwankungen des Vitamin-D-Spiegels sowie mögliche Auswirkungen einer Überdosierung auf den Kieferknochenstoffwechsel. Die Leitlinie ist bis August 2030 gültig – eine Aktualisierung auf Basis neuer Evidenz ist damit perspektivisch zu erwarten.

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Fazit: Leitlinienkonform handeln – individuell denken

Die neue S3-Leitlinie schafft Klarheit in einer lange uneinheitlich gehandhabten Frage. Für die implantologische Praxis bedeutet das: Weg vom Reflexscreening, hin zu einer gezielten, anamnesegestützten Risikoeinschätzung. Vitamin D ist klinisch relevant – aber nur bei den Patientinnen und Patienten, bei denen es relevant ist. Wer das Prinzip der individualisierten Medizin konsequent anwendet, handelt nicht nur leitlinienkonform, sondern auch im besten Interesse seiner Patientinnen und Patienten.

Autorin: Ester Hoekstra, M.Sc., M.Sc.

Quelle

DGI, DGZMK: Relevanz der Vitamin D-Bestimmung und -Supplementierung auf die Implantatprognose und Augmentationschirurgie. Langfassung, Version 1.0, 2025. AWMF-Registriernummer: 083-055. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/083-055

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